…und nun?
15. August 2016
Slowenien
30. August 2016

Immer Regen

Total fertig, in einem schweren Unwetter mit Gewitter radelnd, erreichte ich klatschnass Klagenfurt. Notgedrungen suchte ich das günstigste Hotel auf. Meine Kleidung musste erstmal trocknen. 140km standen auf dem Tacho. Mist, schon wieder so viel. Dabei ging der Tag so gut an, wunderbarer Sonnenschein und eine traumhafte Landschaft. Allerdings mit vielen teilweise heftigen Steigungen. Gegen 12:00 Uhr legte ich eine kurze Almdudlerpause ein und war mir sicher, nur noch ein kleines Stückchen zu fahren. 90 min später machte ich große Mittagspause, kochte mir etwas und trocknete das Zelt und nahm mir vor, noch ein paar Kilometer bis zum Pass zu fahren um am nächsten Tag rüber und ins Tal nach Klagenfurt zu kommen.
Aufgrund eines Planungsfehlers, oder eher gesagt falschen Kartenlesens, gab es keinen Pass mehr zu bezwingen. Es ging einmal noch heftig bergauf zu einem kleinen Örtchen und ab dann nur noch bergab. Auf halbem Weg, als ich grad mit ca 50km/h bergab rauschte knallte es einmal, sofort stieg ich in die Bremsen. Was war das? An meinem Rad? Kann nicht, bei einem geplatzten Reifen würd ich jetzt wohl im Graben liegen, vielleicht irgendwas anderes… Also fuhr ich weiter. Nur das Fahrgefühl war nun anders. Das Hinterrad eierte, also wieder anhalten, und dann sah ich die miesere, die Seitenwand des Mantels ist aufgerissen. Sowas sollte eigentlich nicht passieren… Schon wieder eine Panne! Der Mantel ist doch eigentlich für Langlebigkeit gemacht. 10.000km oder mehr. 2200km? Das sollte doch kein Alter sein…
Nun ja, weiter geht’s. Solange ich noch fahren kann, so lange fahre ich auch.
Da es nur bergab ging, vergaß ich die Zeit und auf einmal waren über mir dunkle Regenwolken und sofort fing es auch schon an wie aus Eimern zu schütten. Damit hat sich die Suche nach einem Zeltplatz erstmal erledigt. Das einsetzende Gewitter tat sein übriges dazu. Auf dem Wegweiser stand Klagenfurt mit 30km angepriesen, so beschloss ich, diese Strecke auf mich zu nehmen, da ich dort eh Pause machen wollte.
Mich erwarteten nun knapp 60 min qualen in heftigstem regen und schwerem Gewitter. Nach jedem Blitz zählte ich die Sekunden bis zum Donner und nahm mir vor, bei unter 5 Sekunden sofort auf den Boden zu werfen. Die kürzeste Distanz war 8 Sekunden, daher fuhr ich immer weiter mit ca 30km/h nach schon gefahrenen 110km eine Mega Leistung meiner Beine. Der Kopf hatte total abgeschaltet, die Beine funktionieren einfach und schlussendlich erreichte ich total erschöpft Klagenfurt. Beim McDonald’s machte ich wieder einmal stop, nicht etwa um etwas zu essen, dort gibt es kostenlos WLAN. Drei Tage zuvor hatte ich viele Anfragen für Übernachtungen gestellt, niemand hat positiv geantwortet. Daher blieb mir nur ein Hotel zu nehmen. Ich brauchte dringend eine Dusche und frische Klamotten. Leider stellte sich Klagenfurt als sehr teure Stadt heraus und ich musste ein überteuertes Hotel ohne jeden Luxus beziehen. Es war das günstigste Hotel, dass ich finden konnte. Ich nahm mir vor eine Nacht zu bleiben und für die nächste Nacht einen Host zu suchen. Am nächsten Morgen schrieb ich also an alle verfügbaren Leute Anfragen, ca 20 Stück und hatte wie sonst auch immer keinen Erfolg. Enttäuscht fuhr ich zum Hotel zurück und konnte nach Verhandlung, das Zimmer 12€ günstiger bekommen. 35€ waren immer noch überteuert, aber es lies sich leider nicht anders gestalten. Meine Mutter hat mir einen Gutschein für einen Paragleidingflug geschenkt und der nächste Termin war zwei Tage später (Mittwoch) verfügbar. Ich kam am Sonntag in Klagenfurt an.
Am Dienstag fuhr ich zum Ossiacher See, in der Nähe von Villach, denn dort soll der Flug stattfinden. Die 40 km gingen locker von den Beinen. Es war sonnig und ohne Steigungen entlang des Wörthersees. Der Wörthersee, hat mich enttäuscht. Es ist schon ein schönes Stückchen land, nur kann man leider nicht viel vom See sehen. Alles ist zugebaut mit Villen mit eigenem Privatstrand. Dort residieren und geben sich Millionäre und Milliardäre die Klinke in die Hand. Ein Hotel in Velden, direkt am Seeufer, welches kosmetische Chirurgie im Wellnessbereich anbietet kostet 550€ die Nacht im günstigsten Zimmer.
Die Nacht verbrachte ich auf einem Campingplatz, kaum stand das Zelt fing es wieder an zu regnen. Jeden Tag hat es bisher in Österreich geregnet. Es gab wieder einen Wolkenbruch mit heftigen Gewitter. Jetzt kann das Zelt zeigen was es kann. Nachts war es schwer zu schlafen, da die Regentropfen so laut aufs Zelt schlugen, ich war davon überzeugt, dass am Morgen der Campingplatz unter gegangen ist. Alles versunken in einem fetten Schlammloch. Dem war dann doch nicht so. Das Zelt hat aber gehalten. Das Wetter am Mittwoch, war weiterhin schlecht mit Regen, weshalb der Flug auf Donnerstag morgen verschoben werden musste.
Die Nacht auf Donnerstag regnete es wieder heftig und am nächsten morgen war es bewölkt. Voller Hoffnung packte ich meine Sachen zusammen und fuhr zur Sprungbasis. Der Sprung könnte dann doch stattfinden, allerdings war es sehr bewölkt und keine ganz gute Aussicht. Dennoch machte es großen Spaß so frei in der Luft zu schweben. Das werd ich auf jeden Fall nicht zum letzten Mal gemacht haben!
Voller Motivation setzte ich nach dem Flug meine Reise richtung italienische Grenze fort….
10 km später war mir klar, der kaputte Hinterreifen will nicht mehr lange und ich steuerte einen Radladen an, der verwies mich an einen anderen Laden mit Spezialteilen, dessen Mitarbeiter Kopfschüttelnd vor meinem Rad standen. Laut deren Aussagen und Einschätzungen sei der Reifen mind. 15.000km alt. Als ich sagte, genau 2400km, vielen sie aus allen Wolken. Das sei wirklich unnormal und sehr selten. Sie hätten nie einen so jungen Reifen gesehen, der so abgenutzt aussah, an den Seiten schauen auch schon die Metallrippen raus. Da der Reifen für Belastung und reisen konzipiert wurde, lag es nicht an mir und lässt auf eine schlechte Qualität schließen. Ich werde mal bei Schwalbe nachfragen und reklamieren. Der empfohlene Reifen, den ich brauche müssen sie bestellen, somit ich wieder gezwungen bin in der Gegend zu übernachten. Ich suchte einen anderen Campingplatz auf und kaum stand das Zelt… Richtig, fing es an zu regnen. Ich kann diesen Regen nicht mehr ertragen!
Am nächsten Tag um 16:00 Uhr konnte ich den neuen Reifen abholen und für nur 60€ kann ich nun mein Hinterrad wieder in Form bringen. Ich entschloss mich, das Rad bis zur Schmerzgrenze zu fahren. Es ging Richtung Italien und direkt weiter nach Slowenien. 60km locker angehen lassen.
Ich startete in herrlichstem Sonnenschein und nach ca 20km fing es wie immer an zu regnen. Unterwegs traf ich ein Mädchen, die auf dem Weg von Tübingen bis Kroatien war.
Allerdings verzichtete sie auf jeden Luxus und versuchte wohl einen Rekord aufzustellen. Jeden Tag über 100km bis in die Nacht hinein fahren, essen aufs notwendigste reduziert, einfach nur so schnell wie möglich das Ziel erreichen. Laut eigener Aussage, ernährt sie sich ausschließlich von Früchten am Straßenrand und Brot. Seit 7 Tagen schon. Ich bin da etwas mehr der Luxusfahrer. Das Schokoladenglas fahre ich gerne mit mir rum und abends was kochen gehört dann auch dazu. Außerdem mache ich gerne Pause wo es mir gefällt. In Italien und Slowenien gibt es einen wunderschönen Radweg, entlang einer alten Bahntrasse. Wunderschöner Weg mit toller Landschaft. In Kranjska Gora, am Fuße des Vrsicpasses, meinem Ziel für diesen Tag ging ich wieder auf Schlafplatzsuche. Die junge Radlerin, die an der italienischen Grenze schon Vorfahren wollte, da sie schneller unterwegs war, verfuhr sich dann aber ständig und holte mich immer wieder ein. Daher erreichten wir gemeinsam Kranjska Gora. Doch wollte sie noch weiter und setzte mit Kopflampe die Fahrt fort.
Die Touristeninformation wollte mich erstmal 20km weiter schicken, meinte aber es gäbe ein Haus wo ich nachfragen könnte. Dort angekommen würde ich bereits erwartet. Die Frau, die mir öffnete, fing sofort an, ohh so viel Gepäck, komm rein, du bist sicher müde, ich habe Tee für dich gemacht. Die Frau vom Touristenbüro rief an und sagte mir, dass du kommst. Mache es dir bequem, ich bring deine Taschen ins Zimmer. Meine Proteste blieben unerhört und ich musste den Tee trinken, während sie alle meine sieben schweren Taschen in den zweiten Stock trug. Ich mag Slowenien jetzt schon!

 

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