Tage in den Diözesen
9. August 2016
…und nun?
15. August 2016

Krakau und Weltjugendtag

Es ist geschafft! Die letzten 70km von Oswieciem bis Krakau haben mit vielen Steigungen nochmals alles abverlangt,aber nach 1675km stand ich um Punkt 19:00 Uhr vor dem Ortsschild von Krakau. Alle Vorbereitung, Anspannung und Vorfreude haben sich gelohnt. Das Schild war weit vorher zu sehen. Wochenlang habe ich mich gefragt, wie dieser Moment sein wird. Der Moment angekommen zu sein, auch wenn es erstmal nur ein kleiner Abschnitt sein wird, dennoch das Ende der Pilgertour bedeuten wird. Ich hielt an und stand eine gefühlte Stunde regungslos vor dem Schild, danach viele Fotos in allen Variationen und allen Leuten zuhause freudig Mitteilungen schreiben. Ich habe es tatsächlich geschafft, mit dem Fahrrad vom Niederrhein nach Krakau. Wie viele Menschen unterwegs sagten mir, wie weit das ist oder Radfahren in Polen ist gefährlich oder Busfahren wäre doch viel einfacher. Halt wie es alle machen.

An diesem lernte ich dann eine weitere Lektion des Radreisens: Man ist auch im Jubelfall alleine. Wenn vorbeifahrende Leute mich eines Blickes würdigten, schauten sie nur auf mein voll bepacktes Fahrrad. Das ich grade mein großes Ziel erreicht habe, weiß niemand und daher interessiert es auch niemanden was ich da anstelle. So ist es eine Freude für mich alleine. Damit muss ich zurecht kommen.

In der Stadt bezog ich ein Hostel, verbrachte einen Tag mit nichtstun und ging abends raus um die ersten Pilger zu sehen. In der Innenstadt war schon ordentlich was los. Überall Jugendliche mit Ihren Nationalflaggen, die sich freuen Leute aus anderen Ländern zu sehen und Fotos miteinander machten und gemeinsam Sangen und Spaß hatten. Sofort wusste ich, warum die Weltjugendtage so besonders toll sind.

Eine Lustige Sache am Rad ist, dass wahrscheinlich die ganzen Diskobesitzer sich dachten, der Weltjugendtag wird eine Goldgrube und so war an diesem Abend überall Werbung zu sehen und überall Leute die Flyer verteilten. Beim umherlaufen viel mir auf, dass niemand auf die Angebote und Werbemaßnahmen ansprang und die Clubs sehr leer waren. Zumindest herrschte vor den Eingängen gähnende Leere. Warum sollen die Pilger Geld für sowas ausgeben, wenn auf den Straßen viel mehr und bessere Party herrscht. In den nächsten Tagen sah man dann immer weniger Werbung bis irgendwann niemand mehr Flyer verteilte.

Am Sonntag versuchte ich dann für meine Gruppe die Pilgerrucksäcke und Ausweise zu besorgen. Allerdings war dies nicht so leicht wie ich dachte. Das Registrierungssystem splittete unsere Gruppe in drei Gruppen auf und wies uns zwei Abholungsorte für die Rucksäcke zu. Den einen Rucksack zu bekommen war kein Problem und lief tadellos, nur war der Ort gut 30 Minuten mit dem Rad entfernt. Bei den anderen Rucksäcken fingen die Probleme dann an. Die Bürokratie war schlimmer als man sich vorstellen kann. Zuerst viel eine Katastrophale Organisation auf. Bei ca 30 Leuten vor mir wartete ich etwa 90 min, bis ich endlich an der Reihe war. Dann hieß es, keine Rucksäcke. Ich bin kein Gruppenverantwortlicher. Auf meine Erklärung, mit dem Fahrrad gekommen zu sein und meine Gruppe käme erst Dienstag abend zum Eröffnungsgottesdienst an ging man nicht ein, der Mann meinte sogar und wenn ich zu Fuß nach Krakau gekommen wäre, es sei ihm sowas von egal, solange ich keinen Ausweis der Gruppenverantwortlichen vorlegen kann bekomme ich gar nichts. Ich gab nicht auf und sagte, dann möchte ich wenigstens meine Sachen haben, ich habe für das Pilgerpaket bezahlt und habe Anrecht auf die Aktionen, Busticket und Essensausgaben. Der Mann war sehr unfreundlich und brachte mich zu seinem Vorgesetzten, ein Jugendlicher, etwa meines Alters, der grade am Pizza essen war. Das war auch ein Anblick, seine Voluntaire rennen sich da draußen einen ab im Stress und der sitzt da gemütlich und isst. Alle Leute die da arbeiten sind ja ehrenamtlich. Das fand ich schon unmöglich. Dem Jungen erzählte ich also nochmal meine Geschichte und er meinte ebenfalls, nichts für mich tun zu können. Ich solle zum zentralen Organisationsbüro gehen und mir da eine Erlaubnis holen, welches natürlich auf der anderen Seite der Stadt lag. Ohne Busticket und Fahrrad im Hostel lief ich also ne gute halbe Stunde dahin, suchte einen zuständigen, wurde von einer Person zur anderen geschickt, um schlussendlich zu einem Jungen zu geraten der kurz telefonierte und dann meinte ich solle zurück gehen, jetzt sei alles geregelt. So lief ich den Weg wieder zurück, der Vorgesetzte sah mich und begann zu telefonieren und mir aus dem Weg zu gehen. Das sah ich als Einladung an, ihm die ganze Zeit überallhin zu folgen, bis er endlich auflegte und mich genervt fragte, ob  ich die Erklärung habe. Ich fragte ihn, ob er den Anruf nicht bekommen hatte, in dem Büro wurde mir ja gesagt, jetzt sei alles in Ordnung. Er wusste von nichts, gab aber sein okay und suchte mir die Sachen zusammen. Wahrscheinlich wollte er mich endlich los werden. Er brachte mir einen Karton mit Pilgerrucksäcken, da er mich nicht fragte welche Farbe ich möchte und dies durften sich alle aussuchen, brachte er mir gelbe, also schickte ich ihn direkt wieder zurück mir die roten zu holen. Ich glaube nun hasst er mich. Aber schlussendlich nach fast 4 Stunden hatte ich mein Ziel erreicht und für die Gruppe alles erledigt und organisiert was es zu organisieren gab.

Die nächsten Tage Weltjugendtag waren unbeschreiblich. Die Gruppe kam Dienstag Abend an und wir gingen direkt zum Eröffnungsgottesdienst. Mehrere Hunderttausend Pilger auf einer Wiese versammelt. Was ein unbeschreibliches Gefühl. Direkt viel uns ein weiterer Haken der Organisation auf, man wurde von Anfang an in Blöcke eingeteilt, in denen man sich bei jeder Veranstaltung aufhalten musste. Für uns hieß dies, den Altar kann man nur auf der Leinwand sehen, da unser Block neben dem Altar war und wir nur Sicht auf die Seitenwand der Bühne hatten. Dazu kam, dasss unsere Gruppe in drei Gruppen gesplittet war und vier Leute daher noch in zwei anderen Blöcken eingeteilt waren. Dies umgingen wir, indem wir immer Leute in das Feld ließen, dann einer mit den Tickets der anderen zurück ging und die anderen nachholte. Dies hat immer gut geklappt. Der WJT war wieder geprägt von Frieden und Harmonie und alle friedlich zusammen feierten. Da ich nun Teil einer Gruppe war musste ich für alles was ich tat eine Erlaubnis einholen und das Hotel nicht alleine verlassen, ich begann mich zu fragen, wie ich die letzten vier Wochen alleine überstehen konnte, aber gleiches recht für alle und so, daher war das schon okay.

Lange stand die Diskussion im Raum, wie verbringen wir die Vigil und den Abschlussgottesdienst. Am Samstag des WJTs findet immer ein Pilgerweg zu einer Wiese statt wo am Abend eine Vigil abgehalten wird, dann unter freiem Himmel übernachtet und morgens der große Abschlussgottesdienst gefeiert wird. Da erfahrungsgemäß alle gleichzeitig nach dem Ende am Sonntag abreisen wollen muss dies immer gut geplant werden, wenn man auch Sonntag abreisen möchte. Da ich für Nachmittags bereits ein Zugticket nach Warschau gebucht hatte und das Feld über 20km außerhalb von Krakau lag, war für mich sehr schnell klar, ich kann dort nicht teilnehmen. Das mir zugewiesene Feld liegt direkt in der Mitte der Wiese, es hätte ewig dauern können um dort weg zu kommen und dann zurück in die Stadt, ich wäre erst irgendwann Abends angekommen. Die Gruppe verbrachte den Abend ebenfalls im Hotel und fuhr morgens auf ein Besucherfeld, daher konnten sie am Gottesdienst teilnehmen. Nach einem kurzen Tschüß machs gut am morgen ging der Weltjugendtag für mich vorbei und ich war wieder alleine. So schnell vergeht die Zeit und nun liegt quasi alles vor mir. Was als nächstes? Erstmal nach Warschau, dann zurück nach Oswieciem und dann nach Wien…

Ich lass mich überraschen was als nächstes kommt.

 

1 Kommentar

  1. Claudia Bausch sagt:

    Lieber Tobias,
    ja, als Du in Krakau angekommen bist, war es eine Freude für Dich selbst und mit Dir alleine. Aber ich glaube und denke, allen denen Du es geschrieben hast, das Du angekommen bist, haben sich mit Dir und für Dich gefreut. Ich habe es getan und bin sehr stolz auf Dich, was Du auch sein kannst.
    Deine Mama

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