Immer Regen
25. August 2016
Italien
30. August 2016

Slowenien

Fahre durch das Socatal! Das darfst du nicht verpassen! Vor allem in Österreich wurde mir dies immer wieder gesagt und empfohlen, also nahm ich mir das auch vor. Das Problem ist nur, um zu diesem wundersamen Fluss zu kommen, von dem alle schwärmen, muss erst der Vrsicpass überquert werden und der ist zufällig der höchste Pass Sloweniens… Über 1000 Höhenmeter und viele viele Serpentinen liegen vor mir um diesen 1611m hohen Pass zu bezwingen.
Bevor es los ging musste aber der angeschlagene Reifen gewechselt werden.
Der letzte Tag war eine Katastrophe im Fahrverhalten. In meiner Pension haben auch zwei französische Reiseradlerinnen übernachtet. Eine von ihnen ist letztes Jahr die Silk Road und Pamir Hwy in Zentralasien geradelt. Da beide im mittleren Alter waren. Ich schätze auf Mitte 50, habe ich noch größeren Respekt vor dieser Leistung. Der Pamir Hwy geht schließlich auf knapp 5000 Höhenmeter hoch! Beide wollen heute auch den Vrsic bezwingen. Also werden wir uns unterwegs sicher wiedertreffen.
Um 10:00 Uhr ging es schließlich los. Ein Schild warnt Autofahrer vor Radfahrern auf den nächsten 11 Kilometern. 11 Kilometer bis zur Passhöhe. Das wäre doch gelacht! Das nächste Schild, welches auf eine 14% Steigung der Straße hinwies lies mein Lachen schlagartig verstummen.
Der Weg führte zuerst um einen kleinen See herum um danach ziemlich anzusteigen. Bald war Serpentine 1 erreicht, die jeweils mit den Nummern ausgeschildert sind. (Es sind 26 Serpentinen auf der Nordrampe) Jede Serpentine ist gepflastert, der Rest geteert, die Pflastersteine sind ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit der Straße. Die Gegend die ich jetzt durchfahre ist vom 1. Weltkrieg geprägt. Damals hatten russische Kriegsgefangene diese Straße bauen müssen. Bei einem Unglück sind viele der Gefangenen gestorben. Die diese Menschen gedenkt an Kilometer 4 eine russische Kapelle. Bis zu dieser Kapelle verging aber sehr viel Schweiß, es ging heftig bergauf. Das ist wirklich eine Herausforderung! Radfahrer überholten mich und bald sogar Jogger. Mit ca 4 km/h strampelte ich dort hoch. Im unteren Bereich ging es viel durch Wälder, was die Sonne davon abhielt mir allzu stark auf den Kopf zu scheinen. An jedem Bach, an dem ich vorbei kam wurde angehalten und ordentlich nass gemacht. Eine Erfrischung war immer nötig und willkommen. Die Sonne trocknete es schnell wieder. Viele vorbeifahrende Autos oder vor allem Fahrer die mir entgegen kamen steckten mir den Daumen empor. Sie wussten ja was noch alles auf mich zukam. Auf Kilometer 3 holte ich eine der beiden Französinnen ein. Reden war bei uns beiden grad nicht angebracht, zu groß war die Anstrengung, weshalb ich vorbei zog, ihre Freundin wartete einen knappen halben Kilometer weiter. Die restliche Strecke ging immer so weiter. Steil, dann eine Kurve, wieder steil und so weiter. Der Weg wollte einfach kein Ende nehmen. Zuerst zählte ich die Kilometer. Da nur alle 500 Meter ein Stein aufgestellt war fing ich bald an die Kurven zu zählen. Irgendwie muss man sich ablenken. Die anderen Radfahrer heiterten mich auch auf und so machte es auch etwas Spaß. Während ich unten noch belächelt wurde, mit so viel Gepäck da hoch zu wollen, würde ich je höher ich kam immer mehr angefeuert. Nach 9-10 km bin ich irgendwann nur noch von Stein zu Stein gefahren. Alle 50 Meter musste ein Stopp eingelegt werden. Nun waren die Bäume verschwunden und die Sonne erschwerte normal alles. Selbst die Schafe, die in der Höhe leben, lagen faul im Schatten der geparkten Autos. Trotz allem, meine Laune war sehr gut und ich war hoch motiviert, wenn auch wirklich erschöpft. Dann war sie irgendwann da, die letzte Serpentine. Nun ging es nur gradeaus hoch. Noch einmal eine wirklich steile Steigung hinauf, die ich von ein paar Schafen begleitet wurde. Dann war sie da. Nach knapp 3 Stunden Fahrtzeit! Die Passhöhe. Ein erschöpfter Jauchzer entkam mir. Die herumstehenden Leute drehten sich herum und einige blickten ungläubig. Ein derart bepacktes Fahrrad sieht man dort oben wohl nicht so häufig. Ein man rief mir „Respekt!“ „Congratulations“ zu. Bevor ich irgendwas tat warf ich mich einfach auf den Boden um zu liegen und nichts zu tun. Nach gut 30 min kam eine der beiden Französinnen an. Erneut Respekt für diese Leistung! Die zweite kam ca eine Stunde später oben an. Nachdem die Fotos gemacht waren ging es zur Berghütte, dort genoss ich meine Belohnungscola. Nach einem langen anstrengenden Radeltag ist eine eiskalte Cola fast schon Routine geworden, womit ich mich ab und zu belohne. Während ich fahre trinke ich immer Wasser und Wasser mit Zitrone zur Erfrischung zwischendurch. 3-5 Liter habe ich eigentlich immer bei mir. Bisher bin ich nur selten in Wasserknappheit geraten. Das Wetter an diesem Tag war wirklich herrlich und ich genoss die Aussicht. Nach langer Pause beschloss ich, den Tag zu beenden und die Nacht auf der Berghütte zu verbringen. Ich hatte keine Lust mehr bergab zu fahren und wusste, die kleinste Steigung im Tal würde mich für den Tag komplett fertig machen. Außerdem war für den Nächten Tag wieder mal Regen angesagt. So plante ich, zwei Nächte auf der Hütte zu bleiben und am nächsten Tag, wenn das schlechte Wetter nur im Tal ist, den nächsten Gipfel zu besteigen oder den Bus nach Ljubljana zu nehmen und mir die Hauptstadt anzuschauen. So ging ich zeitig zu Bett und wachte am nächsten morgen bei herrlichstem Sonnenschein auf.
Blauer Himmel und Sonnenschein. Keine Wolke am Himmel zu sehen. So beschloss ich noch am selben Tag ins Tal zu fahren und die Soca zu sehen. Jetzt werden wir sehen, ob sich die Fahrt vom letzten Tag gelohnt hat. Ist die Soca wirklich so wundervoll, wie so viele gesagt haben?
Zuerst kam die rasante abfahrt, mit bis zu 60km/h auf dem Fahrrad den Berg herunter. Das macht Spaß und ist schon eine kleine Entschädigung und dann sehe ich die zum ersten Mal. Die Soca.
Türkisblau und total klar fließt sie den Berg hinab. Wie kann ein Fluss nur so klar sein. Es war umwerfend. Definitiv wundervoll. Hätte ich an jeder Brücke angehalten um Fotos zu machen, wäre ich Tage unterwegs gewesen. In Bovec, der nächsten Stadt, frischte ich meine Wasservorräte auf und nachdem es weiter ging fing es an zu regnen. Ruck zuck kamen Wolken und haben alles verhangen. Trotzdem ging es weiter. Immer weiter bergab. Die Landschaft war einfach traumhaft und nach kurzer Zeit hörte der Regen auch schon wieder auf. Unterwegs besichtigte ich noch einen Wasserfall, der ebenso so klares und Türkises Wasser führte. Es ist einfach toll.
Nach ca. 60km erreiche ich Nova Gorica/Gorizia. Diese Stadt ist in der Mitte in einen slowenischen und Italienischen Teil getrennt. Genau durch den Bahnhofsvorplatz verläuft die Staatsgrenze. Zu jugoslawischen Zeiten und vor dem Schengenabkommen war es unmöglich einfach diesen Platz zu überqueren. Heute erinnern Schaubilder und Informationstafeln an diese Zeit. Dieses einfache Grenzen überqueren ist so ein Riesen Vorteil der EU. Auf so einer Tour bekommt man das ganz besonders zu spüren.

 

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