Am nächsten Tag ging es die letzten 30 km bis zur Mazedonischen Grenze dann fast nur noch bergab. Dort angekommen begrüßte uns die größte Staatsflagge, die ich bisher auf der Reise gesehen habe. Welcome to Macedonia. Nun geht es 40km bis Skopje nur noch eine Straße entlang, ohne Abzweigungen. Nach etwa 5 km kommt ein Schild: Radfahren verboten! Das müssen Spaßvögel gewesen sein. Gekonnt ignorieren wir das Schild und fahren weiter. Nach weiteren 10km kam wieder ein Schild: Fahrradfahren verboten! Was sollen wir machen, umkehren und in den Kosovo zurückkehren? Natürlich nicht und so kommen wir gegen Nachmittag in der Hauptstadt Skopje an. Dort bezogen wir ein Hostel für die nächsten Tage. Eine Pause war dringend nötig. Wie sich herausstellte haben wir das 8 Bettzimmer für uns alleine. Adrian beschloss in Skopje seine Reise zu beenden und zwei Tage später den Bus Richtung Deutschland zu nehmen. So nutzten wir die Zeit uns die Stadt anzuschauen und zu relaxen. In Mazedonien benutzt man das kyrillische Alphabet, so habe ich Zeit meine Kenntnisse, die ich mir vor ein paar Jahren in Russland angeeignet habe aufzubessern.
Die Innenstadt von Skopje ist ein zusammengewürfelter Haufen von riesigen Statuen und prunkvoller Architektur. Alles in allem wirkt es etwas seltsam, dagegen ist die Altstadt mit dem Basar sehr schön anzuschauen. Als Adrian gefahren war, war ich seit Kroatien wieder alleine und hin nun an ging es wieder komplett auf mich gestellt weiter. Der Abschied viel daher schon etwas schwer. Gedanken gingen um. Wie geht es nun weiter? Ich gewöhnte mich so sehr an die Gesellschaft und war von nun an wieder der Stille ausgesetzt. Da es den ganzen Tag über regnete zögerte ich meine Abfahrt noch einen Tag hinaus. Am nächsten Tag ging es dann aber weiter. Die Stadt war schnell verlassen und ich fand mich auf staubiger Piste mit vielen Rasenmäherautos und Eselkarren wieder. 30km später ging die Straße in die Autobahn über. Ich wollte grad abzweigen um die Ausweichroute über die Berge nehmen, da hielt ein Transporter vor mir an und der Fahrer winkte mir zu. Er fragte mich wo ich hinwill. „Veles und weiter nach Griechenland“ antwortete ich. Er antworte, dass er nach Veles fährt und ob er mich mitnehmen solle, der Weg über die Berge sei steil und lang und ein riesiger Umweg für die 20km Autobahn. Da es grade anfing zu regnen, nahm ich sein Angebot an. So langsam fühle ich mich ausgelaugt von Bergen. Immer wieder Berge. Auch drei Tage Pause in Skopje haben mir die Lust auf noch mehr Pässe und Steigungen nicht wiedergeben können. So fuhr er mich nach Veles und erklärte mir noch den weiteren Weg, wobei man sich nicht leicht verfahren kann. In Osteuropa scheint es normal zu sein, alles immer neu zu bauen. Nicht ausbauen, sondern direkt neu, so gibt es neben der heutigen Autobahn immer in naher Entfernung eine ähnliche Straße, die früher die Autobahn gewesen sein musste, heute aber in schlechteren Zustand ist, an und zu gibt es dann noch eine dritte Straße, die davor die Hauptstraße war, meistens aber immer ungeteert sind. So fuhr ich diese alte Autobahn ohne jeglichen Verkehr den ganzen restlichen Tag weiter. Mein Tagesziel sollte Demir Kapija sein, ein winziges Dorf, wo es ein Hostel geben soll. 15 km vor dem Dorf, geriet ich in einen Fliegen/Mückenschwarm, der ca 10km lang war. Es prasselte nur so gegen meinen Helm, als würde es regnen. Eine Hand musste ich vor Mund und Nase halten um irgendwie atmen zu können. Es war sehr sehr nervig. Als der Schwarm nachließ, hielt ich kurz an einer Bushaltestelle an um mich von den Insekten an den beiden und armen zu befreien. Dann kam um die Kurve mir ein Polizeiauto entgegen. Die Polizisten erblickten mich und hielten prompt an und kamen zu mir herüber.
Meine erste Polizeikontrolle.
Die Polizisten waren sicher einfach nur neugierig, einen Radfahrer hier zu sehen, entschlossen sich dann aber ihren Job auch perfekt auszuführen. So würde ich ausgefragt, was ich im Land will, wo ich alles war, wo ich noch hinmöchte, wann, wo und um wieviel Uhr ich Ihre Grenze überquert habe. Ob ich eine Registrierung für die Nächte in Skopje dabei habe. Wann ich die griechische Grenze erreichen werde und abschließend natürlich, was ich alles im Gepäck habe. All diese Fragen fingen mich schnell an zu nerven und hoffe, dass die bald abhauen werden. Alle meine Angaben wurden sich genau notiert und nach einem Telefongespräch konnte ich dann nach knapp 30 min endlich meine Fahrt fortsetzen. Die beiden schauten mir noch hinterher bis ich um die nächste Kurve verschwunden war.

An meinem Tagesziel angekommen, befand sich noch eine deutsche Gruppe, die zum Klettern herkamen. So verbrachten wir noch den Abend zusammen und tauschten uns über das Land aus. Am nächsten Tag ging es die ersten 20km über die bis dato schlechteste Straße meiner Tour. Straße kann man das nicht nennen, es war eine einzige Schlammpiste mit mehreren „Seen“ wo ich durch musste. Dies bedeutet, hoffen, dass sich in dem dreckigen Wasser kein Schlagloch befindet, welches mich direkt vom Fahrrad in den Matsch werfen würde. Zum Glück ging alles gut und die weitere Strecke ging weiter auf hervorragend asphaltierter Piste bis zur Griechischen Grenze.