Italien
30. August 2016
Albanien
5. Oktober 2016

Kroatien und Montenegro

Etwas durchgefroren, aufgrund einer viel zu kalten Klimaanlage, erreiche ich Split. Kroatien ist nun wieder slawisch. Die Küstenlinie mit den Inseln sieht schon sehr beeindruckend aus. Motiviert laufe ich durch die wunderschöne Altstadt. Bald schon aber möchte ich wieder Rad fahren. Das Fieber ist zurück. Weiter fahren und neue Orte entdecken, daher fahre ich am selben Tag noch weiter Richtung Dubrovnik, welches 200km entfernt liegt. Von nun an heißt es wieder ordentlich Höhenmeter zurücklegen. Die kroatische Küste ist alles andere als flach. Da auf der einen Seite die hohen Berge liegen und auf der anderen Seite das Meer ist, macht es wirklich Spaß dort zu fahren und das rauf und runter ist erträglich. Immer wieder mache ich Pausen um Fotos zu machen. Nach jedem neuen Hügel bietet sich ein neues Panorama und meine Laune und Motivation steigt stetig. Bald schon möchte ich endlich mal ins Meer schwimmen gehen, daher m beschließe ich diesen Tag nach ca 60km in Makarska und suche das nächste Hostel auf. Ab jetzt sind die Preise wieder relativ günstig. Der einzige Nachteil an der kroatischen Küste ist, dass es fast nur Kieselstrand gibt und liegen im Sand daher nicht in frage kommt. Ich möchte ja nur kurz ins Meer springen und nach dieser Erfrischung gönne ich mir einen kleinen Luxus: Tiefkühlpizza! Manchmal sind diese kleinen Dinge, die auch glücklich machen. Am nächsten Tag, nach ca 15km, ich mache grad eine kleine Pause, da ich ein besonders steiles Stück geschafft hatte, fahren zwei Reiseradler an mir vorbei. Schnell stellt sich heraus, dass sie auch aus Deutschland kommen und wir unterhalten uns. Adrian und Jonas, aus Passau sind seit gut 4 Wochen unterwegs und auf dem Weg nach Griechenland. Genau wie ich also! Was ein Zufall. Wir beschließen erstmal zusammen zu fahren. Es gibt ja nur die Küstenstraße und nicht viele Alternativrouten. Die beiden sind mit einfachster Ausrüstung unterwegs und fahren frei nach Gespür. Ich habe meine Routenidee vor der Tour ausgearbeitet und dem sind die beiden nicht abgeneigt. Daher beschließen wir die nächsten Tage zusammen zu fahren. Da die beiden ausschließlich wild campen oder biwakieren, kommt mir das sehr gelegen. Vielleicht kann ich viel von beiden lernen. Gegen Nachmittag erreichen wir die kroatisch-bosnische Grenze. Die Küste von Kroatien ist für Ca. 6 km von Bosnien unterbrochen. Da Bosnien nicht in der EU ist, finden also für 6 km zweimal komplette Grenzkontrollen statt. Zum ersten Mal die EU verlassen! Nach einer längeren Pause in der einzigen bosnischen Stadt an der Küste (Neum). War schnell wieder Kroatien erreicht. Die Grenzkontrolle ist schnell erledigt und weiter geht es. So langsam wird es dunkel und wir suchen einen Schlafplatz. In einem kleinen Ort zweigt die Straße Richtung Meer ab und wir fahren auf gut Glück runter an die Küste. Dort ist nur ein kleiner Hafen, eine riesige Villa und ein paar nicht fertig gebaute Häuser. Eines der Häuser hat ein begehbares Dach, dies ist unser Schlafplatz. Wir kochen noch Käsenudeln bevor es erschöpft in den Schlafsack geht. Da es so warm ist, sparen wir uns das Zelt und schlafen unter Sternenklarem Himmel. Nachts aufwachen und die Sterne zu sehen hat schon etwas besonderes. Am nächsten morgen ist schon früh Trubel am Hafen, die Fischer fahren raus und ein paar andere Leute laufen herum, aber niemand interessiert sich für uns. Die Sachen sind schnell zusammen gepackt und schon geht es auf den Weg den Berg hoch zurück zur Hauptstraße. Gestern bergab im dunklen hat man gar nicht gemerkt, wie steil der Weg war. Oben angekommen machen wir erstmal Pause im nächsten Café und spielen ein paar Runden Canaster. Heute soll es nach Dubrovnik gehen. Die Sonne ist allerdings so heiß, bis zu 40°, dass wir bald wieder eine Pause nötig haben.
Als plötzlich, im Meer eine kleine Insel auftaucht, die zu Fuß vom Strand aus erreichbar ist, ist ins klar, dort wird eine lange Mittagspause gemacht. Ausgelassen planschen wir im Meer und genießen diesen Ort. Nur schwer können wir uns entschließen weiter zu radeln. Die Sonne scheint immer noch unaufhaltsam. Gegen Nachmittag erreichen wir schließlich doch Dubrovnik. Die Stadt, dessen Altstadt komplett in einer Festung liegt, darf mit Fahrrädern nicht betreten werden. Außerdem sind jede Menge Touristen dort. Viele Kreuzfahrtschiffe kommen dort an, heute liegen zwei vor Anker. Aufgrund vollkommen überzogenen Touristenpreisen ist uns die Lust auf die Stadt schnell vergangen und wir fahren weiter gen Süden. Montenegro ist das nächste Ziel. Als es wieder dunkel ist, finden wir an einem Rastplatz ein uneinsichtiges Plätzchen zum schlafen und lassen uns dort für die Nacht nieder. Heute Abend gibt es Wraps. Die beiden wissen wie man kocht und trotz Campingkocher etwas schmackhaftes zaubern kann. Wir drei entwickeln uns zu einem guten Team. Mir geht es super. Die Menschen, die wir treffen sind friedlich und viele Autofahrer Hupen zur Begrüßung und Menschen am Wegrand geben uns einen Daumen hoch und feuern uns an. Am nächsten Tag ist die Montenegrinische Grenze schnell erreicht (nachdem wir morgens wieder eine Canasterpause eingelegt haben). Die Kontrolle geht m schnell und ich bekomme meinen ersten Stempel in den Pass! Jetzt geht es endlich los. Der Pass füllt sich! Unsere Richtung ist nun die Hauptstadt Podgorica, die wir nur über einen Pass erreichen können. Diesen Pass erreichen wir am Abend, als es bereits dunkel ist. Wir beschließen den späten Abend bis in die Nacht hinein dort hoch zu fahren. Damit es am nächsten Tag fast nur noch bergab gehen kann. Am Fuße des Berges, kommen auf einmal Leute auf uns zu und fragen was wir denn vor haben. Sie kommen aus Hamburg und sind momentan auf Verwandtenbesuch. Sie können nicht glauben, dass wir die ganze Strecke aus Deutschland hergefahren sind und laden uns zu sich sein, um etwas zu trinken. Da es schon nach 20:00 Uhr ist und wir unbedingt noch hoch wollen, müssen wir die Einladung leider ablehnen. Auch das Angebot, uns hochfahren zu lassen lehnen wir dankend ab, das wollen wir selbst erstrampeln. Nach ca. 30 min überholt uns ein Transporter und fängt wild an zu Hupen. Es sind die Leute von vorhin, sie wollen sichergehen, dass wir wirklich nicht hochgefahren werden wollen. Es ist spät und es liegen noch viele Kilometer vor uns. Wir lehnen aber wieder dankend ab.
Nun sind wir ganz allein. Nur ab und zu kommt ein Auto vorbei, immer freudig hupend und winkend. Adrian hat Musik und einen Lautsprecher dabei, die Musik feiert uns an.
Diese Fahrt werde ich lange nicht vergessen. Es ist wunderschön. Wir drei Radfahrer nebeneinander mit Musik die Serpentinen hoch und die ganze Zeit Talblick aufs Meer und auf den See bei Kotor. Es ist wunderschön und eine ganz tolle Atmosphäre. Das besondere an dieser Passstraße sind die über 20 Serpentinen, die sehr eng direkt übereinander liegen. Daher sieht man die ganze Zeit das Tal kleiner werden. Je höher man kommt. Gegen Mitternacht erreichen wir die Passhöhe und etwas vorher ist eine Zipline Station, also eine kleine Holzhütte. Auf dem Schild steht, dass täglich ab 9:00 Uhr geöffnet ist. Perfekt für uns als Schlafplatz. Windgeschützt Betten wir uns direkt über dem Tal und am nächsten Morgen weckt uns eine herrliche Aussicht.
Auf der Passhöhe befindet sich eine Ebene mit einem kleinen Dorf, dort sitzen wir in einem Café beim Canaster spielen als plötzlich drei Busse mit Touristen ankommen. Es stellt sich heraus, dass im Tal ein Kreuzfahrtschiff angelegt hat und die Leute nun hier heraufgekarrt wurden. Typische Touristen rennen überall herum machen Lärm und Fotos von allem und sofort ist die Idylle vorbei. Da erkämpft man sich diesen Berg und denkt nun lernt man das ländliche einsame Montenegro kennen und diese Einöde hat sich dann bereits in einen Touristenpunkt verwandelt. Traurig machen wir uns auf den Weg weiter. Heraus aus dieser Ebene müssen wir einen weiteren Pass erstrampeln, wo uns auf halbem Weg der erste wilde Hund meiner Reise begegnet. Er steht am Straßenrand und bellt wie wild. Wir versuchen ihn anzuschreien und laute Geräusche zu machen um ihn zu vertreiben. Das interessiert ihn aber nicht und läuft uns hinterher, als wir passieren. Wir schreien weiter und wohl auch aufgrund der Hitze lässt er bald ab und kehrt zu seinem schattigen Plätzchen zurück.
Oben angekommen geht es nun sehr langgezogen nur noch bergab. Bis nach Cetinje. Der ehemaligen Hauptstadt Montenegros. Dort machen wir allerdings nur eine kurze Pause und fahren weiter die letzten 30km bergab nach Podgorica. Podgorica stellt sich als nicht lohnenswert heraus. Eine Stadt, die absolut nichts zu bieten hat und irgendwie einfach langweilig scheint. Jonas Hinterrad hat bei der letzten Abfahrt einen Schaden genommen und drei Speichen sind gerissen. Da der örtliche Fahrradladen keine passenden Speichen parat hat und ihn das Heimweh plagt, beschließt er mit dem nächsten Bus Richtung Deutschland Heim zu fahren. Ab jetzt fahren Adrian und ich zu zweit weiter ins Landesinnere Richtung Albanien. Ein Land, über das ich nicht viel weiß, nur, dass im Norden viele wilde Hunde leben sollen und das Land so anders ist, wie man es sich in Westeuropa nicht vorstellen kann. Ob die Vorurteile zutreffen, dazu mehr im nächsten Blog. image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image image

1 Kommentar

  1. Monique sagt:

    hallo Tobias ! Ich bin froh, dass du weiter nach Ost gefahren bist, und dass du beginnst dich, an Pässe zu gewöhnen. Ich bin die langsame französiche Reiseradlerin, die du in Vrsic Pass überholt hast. Vielleicht wirst du dein Gepäck ein bisschen erleichtern und Bergestrassen endlich schätzen. Rohi safed / ak jol / gute Reise

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