Kroatien und Montenegro
6. September 2016
Kosovo
10. November 2016

Albanien

Auf dem Weg zur Albanischen Grenze ging es nochmal knackig bergauf. Auf halber Strecke standen vor uns zwei Reiseradlerinnen. Sie kommen aus Polen. Eine von ihnen möchte bis nach China fahren, ihre Freundin nur bis Griechenland. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer Pause und Austausch. Wir beschlossen uns in Albanien an einer Tankstelle zusammen zu setzen und von unseren Eindrücken zu berichten.
Oben angekommen ging es nur noch bergab bis zur Grenzstation. Die Montenegrische Grenzstation war schnell passiert. Wortlos wurde mein Pass durchgeblättert, Ausreisestempel war nicht nötig. Hinter dem Häuschen hörte die Straße dann direkt auf und verwandelte sich in eine grobe Schotterpiste. Überall standen LKWs und Autos wild in der Gegend herum. Das albanische Grenzhäuschen war ein total verfallener Container. Ich fuhr heran als mir direkt ein Reisebus von der anderen Seite entgegen kam und durch die selbe Gasse will, durch die ich durch wollte. Die Kontrolle fand also an zwei Seiten statt. Das ist interessant. Ein Herr sprang aus dem Bus und drückte der Polizistin in dem Container jede Menge Pässe in die Hand. Ich dachte, na super, fährt der Bus falsch herum an die Kontrolle und drängelt sich auch noch bei der Kontrolle vor.
Die Polizistin winkte mich aber wortlos heran, nahm meinen Pass, versuchte ihn einzuscannen, versuchte es nochmal und nochmal und schrieb anschließend einfach meinen Namen und Passnummer auf einen Zettel. Einreisestempel brauchte man wohl auch wieder nicht. Danach wurde ich wortlos durchgewunken.
Hinter der Grenze saßen Männer und fingen an zu lachen, als sie uns mit den bepackten Rädern vorbei fahren sehen. Einer schüttelte den Kopf und sagte nur: Crazy!
Die Straße war auf einmal wieder gut und hervorragend asphaltiert.
Nun waren wir also drin im geheimnisvollen Land Albanien. Dem Land, von dem ich nur weiß, dass es Jahrzehnte lang isoliert war.
Nach gut einem Kilometer erstarrte ich.
Vor mir auf dem Seitenstreifen spazierte ein riesiges graues Tier. Ich dachte, oh mein Gott. Was ein überdimensionaler Hund! Wenn der sich umdreht und uns sieht ist es aus. Der kann uns locker vom Rad rammen. In meinem Kopf malten sich die schlimmsten Sachen aus und ich überlegte wie wir nun heil an diesem Riesen Tier vorbei kommen bis das Geschöpf anhielt und sich umdrehte. Ich bekam einen Lachanfall. Es war ein großes wildes Schwein! Gemächlich spazierte es über die Hauptstraße. Als es uns sah querte es die Straße und verschwand hinter dem nächsten Gebüsch.
Das fing ja schon mal lustig an. Albanien.
Eine Kurve weiter spazierten zwei Kühe über die Straße und noch eine weiter drei Ziegen. Links auf dem Bahndamm spielen Kinder.
Dies waren die ersten Eindrücke von Albanien. Nach zwei Kilometern erreichten wir eine Tankstelle. Die anderen waren genauso amüsiert von den Tieren wie ich, daher legten wir jetzt erstmal unsere Pause ein. Die beiden Polinnen wollten den Tag so langsam ausklingen lassen, da die Sonne schon so langsam unterging. Da wir unbedingt noch nach Shkoder wollten, verabschiedeten wir uns und setzten die Reise alleine fort.
Am nächsten Tag, nach einem Spaziergang durch Shkoder ging es Richtung Koman Stausee. Die Strecke wurde als schlecht zu fahren beschrieben und Albaner, die wir trafen warnten uns ebenfalls vor dieser Straße. Trotz allem fuhren wir dort entlang und wurden nicht enttäuscht. Die Straße war teilweise in Katastrophalem Zustand. Unterwegs ertönten auf einmal junge Stimmen: Nister Mister, come here. Stop!
Es waren zwei kleine Jungen, so um die 12-14 Jahre alt. Selbst mit Fahrrädern, waren sie ganz begeistert von unseren bepackten Drahteseln. Einer der beiden jungen sprach perfektes englisch und übersetzte alles was wir sagten seinem Freund. Diese Kenntnisse haben uns sehr beeindruckt. Er schien alles was wir sagten zu verstehen und weitergeben zu können. Sie wollten unsere Räder fahren. Angesichts ihrer Größe funktionierte das allerdings nicht und so verabschiedeten sie uns winkend. Endlich freundliche Kinder die nicht nur betteln. Generell ist es so, dass Kinder egal welchen Alters eigentlich immer die Hand aufhalten und nach Geld fragen. Die Hemmschwelle dafür ist hier sehr niedrig.
Für die 50km nach Koman brauchen wir fast den ganzen Tag und Quartieren uns am Abend am örtlichen Campingplatz ein. Für 2€ die Nacht, ist es meine günstigste Nacht bisher. Am Campingplatz sind momentan auch deutsche Geologiestudenten untergebracht, die ganz begeistert von ihrer Arbeit erzählen. Den ganzen Tag rumsitzen und Steine angucken. Dafür Begeisterung zu entwickeln ist mir unverständlich. Aber wenn es ihnen gefällt, ist das schön. Den Abend tauschen wir uns aus und sie erzählen viel von ihren Erlebnissen in Albanien und über die Arbeit eines Geologen.
Auf dem Campingplatz gibt es kaum Plätze ein Zelt ordentlich aufzustellen ohne Gefahr zu laufen sich den Zeltboden aufzureißen oder die Matratze durch die spitzen Steine zu zerstören. Nach einem Platzregen war die Fläche komplett überschwemmt und es gab generell keinen Platz mehr für ein Zelt. Biwakieren, wie in Kroatien viel für mich flach, da überall Hunde, Katzen und Hühner frei herumliefen. Ich möchte nachts nicht von einem Huhn überrannt werden.
Daher quartierte ich mich in das Restaurant ein. Da es nur die Studenten und uns gab und alle draußen saßen, war eh niemand im Restaurant. Der Besitzer war davon allerdings nicht so begeistert, konnte mir aber auch keinen Platz zuweisen. Um 7 Uhr allerdings, so meinte er kommen garantiert die ersten Gäste zum frühstücken, daher muss er mich früh wecken, da die Gäste keine schlafende Person auf dem Boden haben wollen. Ich fragte mich von welchen Gästen er sprach. Wir liegen in einem kleinen Dorf mit vielleicht 100 Einwohnern in einem Tal, dass nur über eine Seite erreicht werden kann und dies über die 30km lange Straße über die wir gestern gekommen sind. Die andere Seite ist nur der Stausee und die nächste Fähre kommt erst um 11:00 Uhr an.
Natürlich kamen am nächsten Tag keine Gäste zum frühstücken. Die Studenten aßen wie immer draußen, daher ärgerte ich mich ein bisschen so früh aufstehen zu müssen. Um 10:00 Uhr legte die Fähre ab. Dorthin ging es nochmal steil bergauf und unter anderem durch einen langen unbeleuchteten Tunnel, der direkt vor dem Fähranleger endete. Am Anleger lagen zwei Schiffe. Ein total heruntergekommendes altes Schiff und ein neueres. Da wir die Fährtickets am Campingplatz gekauft haben, wurden wir dem alten Schiff zugewiesen. Nachdem alles verstaut war, warteten wir, bis es los ging und beobachteten die Gegend. Neben dem Tunneleingang war sowas wie ein Ziegenmarktplatz und ein Käufer versuchte die neu erstandenen Ziegen auf dem Dach seines Transporters zu verstauen. Da die Ziegen lebten, machten sie teilweise ein großes Geschrei, wenn sie an zwei Beinen Haltend auf den Bus gehoben wurden und dann irgendwie in die bereitstehenden Kisten gesetzt wurden und dann mit viel Kordel festgebunden wurden. Vier Ziegen wurden verstaut, ehe der Bus Richtung Shkoder aufbrach. Das wird eine ganz schön holprige Strecke für die Ziegen. Die Fähre legt schlussendlich fast eine Stunde später ab und die meiste Zeit der 3,5 Stunden langen Fahrt verbrachten wir mit Schlaf der letzten Nacht nachholen.
Die restliche Strecke in Albanien ging nur noch bergauf unterbrochen von ein paar Colapausen. Es ging in den Kosovo, welches in einem Riesen Kessel liegt, außen Berge innen relativ flach. Daher geht es bis zur Grenze nur noch bergauf. Unterwegs begegnen wir wieder ein paar bettelnden Kindern, Kinder die auf Baustellen spielen und viele frei lebenden Tieren. Entgegen den Berichten, waren alle wilden Hunde sehr friedlich und lagen faul im Schatten. Albanien scheint als ein einziges Chaos. Verkehrsregeln scheinen nicht zu existieren. Ampeln gibt es wohl keine und die Polizisten die teilweise versuchen sollen den Verkehr zu regeln sind sich am unterhalten oder am Handy am spielen. Trotzdem sind es die Autofahrer die fast ausnahmslos immer freundlich Hupen und begeistert winken. Egal ob sie überholen oder entgegen kommen. Es macht wirklich Spaß hier zu fahren. Die Leute freuen sich, dass wir zu Besuch in ihr Land kommen. Für den Komansee und viele Landschaften und Täler sage ich einen Tourismusboom voraus. Wenn eines Tages durch staatliche Ordnung der Tourismus Einzug hält, werden diese Gegenden sicher gut vermarktet werden können. Wer heutzutage hinfährt erlebt Unberührtheit, freundliche Menschen ohne großen Luxus und ein besonderes Flair. Es ist wirklich einzigartig und ich glaube ein Boom würde der Region nicht gut tun. Die Menschen leben abgeschieden in einer eigenen Welt. Ich werde auf jeden Fall nicht das letzte mal hier gewesen sein. Weiter geht es in den Kosovo. Ein kleines sehr junges Land, von dem ich nur weiß, dass die Bundeswehr dort einen Einsatz hat und dort wirklich kaum jemand Urlaub macht. Es wird also ein kleines Highlight, was ich mir auch fest vorgenommen habe zu besuchen.

 

 

 

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