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Iran I – Beginn einer wunderbaren Zeit

„Knock Knock“ Es klopft an der Tür. Hmm? Wo bin ich? Ach ja, im Iran, in Marand in einem Gästehaus. Aber wer klopft da an die Tür?

Draußen steht ein älterer kleiner Mann, total aufgeregt von einem Bein aufs andere wippend. Hallo, ich bin ein Freund von Yashar, ich habe gehört, du bist mit dem Fahrrad in den Iran gekommen, bitte komm mit, ich möchte dir ein paar Freunde vorstellen und Fotos zeigen.

Yashar? Ach ja, der nette Junge, den ich gestern kennen gelernt habe. Dies ist schon mein dritter Tag im Iran. Die vorigen beiden Tagen bin ich viel Fahrrad gefahren, durch tolle Landschaften und mit vielen tollen Leuten. Marand ist bei Radreisenden bekannt, dort lebt ein Mann, der Radreisende sammelt und am Ortseingang bereits auf die Radler wartet. Nun fuhr ich in die Stadt rein und niemand wartete auf mich. Das war schade, ich fragte mich schon, warum dies grade bei mir nicht funktioniert hat.

So setzte ich mich erstmal in ein Restaurant um bei Couchsurfing einen Host zu suchen. Der Restaurantbesitzer war ganz begeistert. Ein Tourist bei ihm im Geschäft! Sofort rief er einen Freund an, der vorbeikam um mich zu sehen und dieser rief einen weiteren Freund an, ein jugendlicher 17 Jahre alt. Er stellte sich als Yashar vor und erzählte mir, dass er ein guter Freund von Akbar sei, der Mann, der die Radfahrer abfängt. Er sei aber leider grade in Teheran und kann mich nicht hosten. Er kann mir ein günstiges Gästehaus empfehlen und mir die Stadt zeigen wenn ich möchte. Was für ein Zufall!

Nun stand also der nette Mann vor mir und ich dachte mir, warum nicht und ging mit ihm mit. Wir fuhren zu einem kleinen Taxistand, wo alle Fahrer ganz aufgeregt Fotos mit mir machten und fragen stellten. Der Mann fing an mir Fotos von Radreisenden zu zeigen.

„Ja, ich sammle auch Radreisende. Das ist total toll was ihr macht. Seit vier Jahren mache ich Fotos von Radreisenden und führe sie herum. Du bist Nummer 826.“

Nummer 826? Ich begreife, so einzigartig ist das doch nicht, was ich hier mache. Da fährt man fünf Monate durch viele Länder, kommt total glücklich im Iran an und bekommt mitgeteilt, ja ich habe jede Woche Gäste die genau das selbe machen wie du. Vor allem Deutsche seien seine Gäste.

Ich bin etwas frustriert. So blättern wir uns durch diverse Fotoalben und schauen uns Fotos von Reisenden mit deren bepackten Rädern an. Anschließend machen wir selber noch ein Foto für sein Album und er bringt mich zum Gästehaus zurück. Wer einmal mit dem Rad nach Marand kommt, wird von nun an auch mein Foto in diesem Album finden.

Anmerkung: Jetzt drei Wochen später sind noch weitere 15 Radreisende bei Yashar und dem netten Mann vorbeigekommen.

 

Ich beschließe zwei Nächte zu bleiben und mit Yashar und seinen Freunden den Tag zu verbringen. Wir fahren durch die Stadt und schauen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an. Später fährt uns ein freund im Auto raus in die Berge und wir schauen uns ein kleines Dorf an. Es ist wunderschön aber eiskalt. Es scheint, Yashar, obwohl erst 17 Jahre alt hat schon eine Community zusammengestellt um Reisenden möglichst viel zu zeigen.

Abends sitzen wir bei einem weiteren Freund im Laden auf dem Basar und reden ein bisschen. Plötzlich verabschiedet sich Yashar von mir und verlässt uns. Kurz darauf werde ich von dem Ladenbesitzer zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen. Mein erstes Abendessen in einer Iranischen Familie, mein erstes Mal eine Iranische Wohnung betreten.

Iranische Wohnungen sind entweder total luxuriös oder gar nicht eingerichtet. Hier die Wohnung war der zweite Fall. Das heißt, man betritt die Wohnung ist ist direkt im Wohnzimmer. Dort liegen nur Teppiche auf dem Boden, sonst nichts. Man sitzt auf dem Boden mitten im Raum oder lehnt sich an Kissen an die Wand. Sonst gibt es eine Küche, die abgetrennt ist oder auch nicht und einen anderen Raum, mit Pc oder als Rückzugsort. Die Toilette und Dusche befindet sich draußen.

Das Essen wird ebenfalls auf dem Boden sitzend eingenommen. Dazu wird ein großes Plastiktuch ausgebreitet und alle sitzen herum. Es wird sehr viel Essen aufgetischt, so viel, dass ich gar nicht alles probieren kann. Obwohl ich scheinbar einer von vielen Gästen war, war die Familie so begeistert und lud direkt noch viele andere Verwandte ein, sodass wir am Ende 16 Leute waren, die um dem Esstuch herumsaßen. Wie es sich gehört, die Frauen an der einen Seite, die Männer an der anderen.

Generell, war diese Familie sehr Konservativ. Frauen waren auch in der Wohnung verschleiert und sprachen kein Wort mit mir. Nur die Männer redeten mit mir. Ich fühlte mich etwas unwohl, aber es war ein faszinierender Einblick in eine Iranische Familie.

Am nächsten Morgen kam Yashar und sein Freund mit dem Fahrrad noch bis vor die Tore der Stadt, wo wir gemeinsam Frühstückten und ich machte mich auf den Weg nach Tabriz.

 

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