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Iran III – Durch die Wüste
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Iran II – Eintauchen in die Persische Kultur

Als ich mit meinem Fahrrad über die Armenisch-Iranische Grenze fuhr, war ich ziemlich nervös. Ich wusste, dass mich nun ein Kulturschock erwarten würde. Alles wird nun anders sein und vom Christlich-Orthodox geprägten wird nun alles Muslimisch geprägt sein. Vor der Reise wusste ich schon, dass es viele Regeln gibt die das Leben im Iran bestimmen. Ich hatte nur keine Ahnung wie es in der Realität aussieht. Frauen müssen in der Öffentlichkeit immer ein Kopftuch und lange Gewänder tragen. Als Mann muss ich nur darauf achten, dass ich immer lange Hosen trage. Außerdem heisst es, Kontakt zu Mädchen ist tabu, wenn man nicht Verheiratet ist und einem Mädchen die Hand geben in der Öffentlichkeit könnte manchen Konservativen Männern schon den Schweiß ins Gesicht treiben. (Dies waren meine Erwartungen und spiegeln nicht die wirkliche Situation wieder.)

Nun sitze ich in Tabriz in einem Hamam Café (Ein Café in einem ehemaligen Hamambad) zusammen mit drei Iranischen Jugendlichen und unterhalte mich über ihr Leben und das Leben im Iran. Zwei Mädchen, deren Kopftücher so weit hinten am Haaransatz enden, dass es alle paar Minuten herunterfällt und wieder neu gerichtet werden muss und ein Junge. Alle drei beste Freunde und in keinster Weise miteinander liiert. So sind drei Tage nach Einreise meine Vorurteile schon etwas ausser Kraft gesetzt.

Natürlich gibt es im Iran auch sehr konservative Menschen, dann tragen die Frauen Tschador oder ein sehr gut angelegtes Kopftuch, aber in den größeren Städten scheinen den meisten Jugendlichen die strengen Regeln sehr zu nerven.

Sie erzählen mir, dass es Volkssport sei, die Regeln zu brechen. Man reizt es einfach so lange aus wie es geht. Da es alle machen, wird es toleriert. So hat fast jeder Haushalt eine Satellitenschüssel auf dem Dach (obwohl es verboten ist) und jeder hat ein VPN Programm auf dem Handy oder Computer um an die gesperrten Seiten zu kommen. (Facebook, Skype und ein paar andere Seiten sind gesperrt und im Iran nicht aufrufbar, außerdem wird das Internet kontrolliert und gefiltert. Ein VPN umgeht die Sperren und Filterungen.)

Nach diesem Tag, voller intensiven Diskussionen über alle Möglichen Themen fällt es mir schwer am nächsten Tag Tabriz zu verlassen und den Bus nach Teheran zu nehmen. Die Tage sind sehr kalt. Es ist ständig um die 2° kalt und die 800 km von Tabriz nach Teheran sind entlang der Autobahn. Viele Radler nehmen hier den Bus oder Fahren durch das Kurdengebiet richtung Süden. Allerdings wurde ich in Teheran von einer Familie eingeladen und habe die Einladung gerne angenommen.

Im Iran gibt es wieder große moderne Reisebusse wie in Europa. Keine kleinen Transporter wie noch in Georgien oder Armenien. So ist die Fahrradmitnahme kein großes Problem.

Teheran ist eine riesige total versmogte Stadt. Man hat nie eine klare Sicht, da graue Wolken die Stadt vernebeln. Dies ist auch der Grund, warum viele Touristen diese Stadt meiden und direkt nach der Ankunft weiterreisen. Dennoch gilt Teheran als die offenste und westlichste Stadt Irans, wo quasi alles Möglich ist und sich noch weniger an die Regeln gehalten wird. Das reizt mich natürlich sehr zu erfahren und mich mit Leuten in Verbindung zu setzen. (Eigentlich ist es Iranern auch verboten Touristen zu beherbergen oder über den normalen Kontakt hinaus zu verkehren, aber wie immer hält sich daran niemand.)

So erreiche ich die Wohnung von Shahin und seiner Familie und werde Herzlich Willkommen geheißen.

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