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Ein Abenteuer

Autor: Radelman (Seite 1 von 3)

Iran II – Eintauchen in die Persische Kultur

Als ich mit meinem Fahrrad über die Armenisch-Iranische Grenze fuhr, war ich ziemlich nervös. Ich wusste, dass mich nun ein Kulturschock erwarten würde. Alles wird nun anders sein und vom Christlich-Orthodox geprägten wird nun alles Muslimisch geprägt sein. Vor der Reise wusste ich schon, dass es viele Regeln gibt die das Leben im Iran bestimmen. Ich hatte nur keine Ahnung wie es in der Realität aussieht. Frauen müssen in der Öffentlichkeit immer ein Kopftuch und lange Gewänder tragen. Als Mann muss ich nur darauf achten, dass ich immer lange Hosen trage. Außerdem heisst es, Kontakt zu Mädchen ist tabu, wenn man nicht Verheiratet ist und einem Mädchen die Hand geben in der Öffentlichkeit könnte manchen Konservativen Männern schon den Schweiß ins Gesicht treiben. (Dies waren meine Erwartungen und spiegeln nicht die wirkliche Situation wieder.)

Nun sitze ich in Tabriz in einem Hamam Café (Ein Café in einem ehemaligen Hamambad) zusammen mit drei Iranischen Jugendlichen und unterhalte mich über ihr Leben und das Leben im Iran. Zwei Mädchen, deren Kopftücher so weit hinten am Haaransatz enden, dass es alle paar Minuten herunterfällt und wieder neu gerichtet werden muss und ein Junge. Alle drei beste Freunde und in keinster Weise miteinander liiert. So sind drei Tage nach Einreise meine Vorurteile schon etwas ausser Kraft gesetzt.

Natürlich gibt es im Iran auch sehr konservative Menschen, dann tragen die Frauen Tschador oder ein sehr gut angelegtes Kopftuch, aber in den größeren Städten scheinen den meisten Jugendlichen die strengen Regeln sehr zu nerven.

Sie erzählen mir, dass es Volkssport sei, die Regeln zu brechen. Man reizt es einfach so lange aus wie es geht. Da es alle machen, wird es toleriert. So hat fast jeder Haushalt eine Satellitenschüssel auf dem Dach (obwohl es verboten ist) und jeder hat ein VPN Programm auf dem Handy oder Computer um an die gesperrten Seiten zu kommen. (Facebook, Skype und ein paar andere Seiten sind gesperrt und im Iran nicht aufrufbar, außerdem wird das Internet kontrolliert und gefiltert. Ein VPN umgeht die Sperren und Filterungen.)

Nach diesem Tag, voller intensiven Diskussionen über alle Möglichen Themen fällt es mir schwer am nächsten Tag Tabriz zu verlassen und den Bus nach Teheran zu nehmen. Die Tage sind sehr kalt. Es ist ständig um die 2° kalt und die 800 km von Tabriz nach Teheran sind entlang der Autobahn. Viele Radler nehmen hier den Bus oder Fahren durch das Kurdengebiet richtung Süden. Allerdings wurde ich in Teheran von einer Familie eingeladen und habe die Einladung gerne angenommen.

Im Iran gibt es wieder große moderne Reisebusse wie in Europa. Keine kleinen Transporter wie noch in Georgien oder Armenien. So ist die Fahrradmitnahme kein großes Problem.

Teheran ist eine riesige total versmogte Stadt. Man hat nie eine klare Sicht, da graue Wolken die Stadt vernebeln. Dies ist auch der Grund, warum viele Touristen diese Stadt meiden und direkt nach der Ankunft weiterreisen. Dennoch gilt Teheran als die offenste und westlichste Stadt Irans, wo quasi alles Möglich ist und sich noch weniger an die Regeln gehalten wird. Das reizt mich natürlich sehr zu erfahren und mich mit Leuten in Verbindung zu setzen. (Eigentlich ist es Iranern auch verboten Touristen zu beherbergen oder über den normalen Kontakt hinaus zu verkehren, aber wie immer hält sich daran niemand.)

So erreiche ich die Wohnung von Shahin und seiner Familie und werde Herzlich Willkommen geheißen.

Iran III – Durch die Wüste

Teheran, eigentlich wollte ich nicht hier her kommen, so eine riesige Stadt. Gar nicht gemacht für Radfahrer, so besteht sie fast nur aus Autobahnen. Der Verkehr ist eine Katastrophe und die Smogbelastung ist nicht mehr messbar. Dennoch bin ich nun hier. Zum einen, da es zu kalt ist über die Berge weiter zu radeln, andererseits weil ich hier einen neuen Laptop aus Deutschland bekomme. Mein Bus erreicht Teheran abends um 19:00 Uhr. Die Radfahrt zu meiner Hostfamilie war um ehrlich zu sein, eine der Nervenaufreibendsten Kilometer meiner Tour. Schlimmster Verkehr und da die Stadt an Hanglage gebaut wurde auch einige Höhenmeter, die in dem Verkehr zwischen all den Autos nur schwer zu bewältigen sind.
Ich quartiere mich für eine Woche bei einer Familie ein, deren Kontakt ich aus Deutschland vermittelt bekam.
Direkt nördlich der Stadt ragen 5000 meter hohe Berge in den Himmel. Diese Berge sind durch den Smog nicht zu erkennen, obwohl sie nur ein paar Kilometer entfernt sind.
Die nächsten Tage verbringe ich mit neuen Freunden, die ich über Couchsurfing kennen gelernt habe. Azade und Moritz. Zwei Jugendliche aus Teheran, die super Deutsch sprechen können und als Übersetzer arbeiten. Wir schauen uns gemeinsam die Stadt an und laufen auf den Berg Tochal zur Mittelstation der Bergbahn. Teheraner mögen es am Wochenende oder an Feiertagen in die Nahe gelegenen Berge zu fahren um Wandern zu gehen. Entfliehen des Chaos in der Stadt und ein Ort fast ohne Regeln. Viele Mädchen laufen sogar ohne Kopftuch herum. Wo kein Kläger da kein Richtger. Ist ja keine Polizei dort oben. An dem Tag wo wir dort waren, war einer der vielen Iranischen Feiertage. Es sieht so aus, als wäre jede Woche irgendein anderer Feiertag. Immer wenn ein Heiliger aus dem Koran, dessen Eltern, Geschwister oder sonst ein Familienmitglied gestorben oder geboren ist, scheint es hier einen Feiertag zu geben. Dennoch hat fast alles, außer Behörden geöffnet. An unserem Tag war aber ein wichtigerer Tag und alle hatten frei und wenn alle Frei haben natürlich auch alle Mitarbeiter, die am Tochal Komplex arbeiten. Wenn alle Leute frei haben und Geld ausgeben wollen, haben im Freizeitareal alle Restaurants, Attraktionen und die Gondelbahn auf den Gipfel (Inkl. Skigebiet) geschlossen.
So bleibt den Leuten nichts anderes übrig als zu laufen.

Viele Reisende mögen Teheran nicht und bleiben nicht hier. Da alle Internationalen Flüge nur Nachts ankommen, bleiben die meisten Touristen nur die erste halbe Nacht und reisen am nächsten Morgen direkt weiter. Selbstverständlich sind daher die Hostelpreise in der Stadt die teuersten im ganzen Land.
Nach einer sehr schönen Woche (mir gefällt die Stadt wirklich sehr) fahre ich weiter nach Isfahan. Ich nehme wieder den Bus, da es vor allem Nachts immer noch einige Minusgrade hat.
In Isfahan angekommen werde ich direkt von einem Jungen Mann zu seinem Onkel nach Hause eingeladen. Isfahan ist die erste Stadt im Iranischen Kulturdreieck (Isfahan – Yard – Shiraz). Die Orte, die jeder Reisende besucht. (Reisende besuchen eigentlich immer nur diese drei Orte und Teheran.)
Diese drei Städte lasse ich mir daher natürlich auch nicht entgehen. Isfahan ist religiös geprägt, mit vielen Moscheen und beeindruckenden Gebäuden. Vor allem die Brücken über den Zajanderud Fluss sind grade in der Nacht mit allen Lichtern beeindruckend. Leider führt der Fluss den Großteil des Jahres kein Wasser mehr, da Misswirtschaft den Fluss zum Austrocknen gebracht hat.

Von Isfahan geht es dann mit dem Rad weiter nach Yazd, die Oasenstadt in der Wüste. Das heißt, ich muss die Wüste durchqueren. Von Isfahan geht es zuerst in einen keinen Ort namens Varzaneh. Dies ist schon eine kleine Oase, direkt am Rand der Sanddünenwüste. Von dort schaue ich mir den Sonnenuntergang an. Auf dem Weg nach Varzaneh, habe ich zum ersten Mal LKW ziehen gemacht. Fast jeder Radreisende macht es mindestens einmal. Man hält sich mit einer Hand hinten an einem LKW fest und lässt sich ein paar Kilometer ziehen. Wenn der Fahrer freundlich ist, wird er in der Mitte der Straße fahren und nicht ganz schnell Beschleunigen. So fuhren wir mit 70km/h durch die Wüste. Die Straße war schnurgerade und typisch Iranisch gut Asphaltiert. Mein Fahrrad lässt sich auch mit einer Hand noch bei diesem Tempo kontrollieren und fängt nicht an zu schlingern. Ein echter Adrenalinkick.

Am nächsten Tag ging es dann wirklich in die Wüste. Der Hostelbetreiber erzählt mir, dass es eine Herausforderung werden wird. Für etwa 120km wird keine Stadt, kein Dorf oder kleine Siedlung kommen. Nur Sand und trockenes Ödland. Genau bei der Hälfte, nach 60km gibt es eine Verlassene Karawansarai, dort werde ich übernachten. Ich bin nun auf der alten Seidenstraße unterwegs. Zu Karawanenzeiten gab es alle 60km eine Herberge für die Handelsleute. Heute sind die meisten von ihnen verfallen und stehen in der Gegend herum. Der Weg gestaltet sich wirklich als Herausforderung. Die Uhr und die Karte arbeiten gegen mich. Die Straße geht viele Kilometer immer nur gradeaus und es gibt kaum Anhaltspunkte auf die man sich konzentrieren kann. Dazu geht es stetig Bergauf wie mein Höhenmesser anzeigt. Man sieht es aber nicht, da ich mich auf einer endlosen Weite befinde. So fährt man gefühlte Ewigkeiten immer gradeaus, an immer der gleichen Szenerie vorbei und sucht krampfhaft einen Punkt am Horizont. Die Straße wurde irgendwann zur Sandpiste und das Vorwärtskommen wird immer schwieriger.
Gegen Abend grade zum Sonnenuntergang erreiche ich endlich die Karawanserei. Dort im Innenhof stelle ich mein Zelt auf und bemerke, dass ich absolut alleine bin. Ich bin in einer großen Ruine, die in der Dunkelheit gespenstisch ausschaut und es herrscht absolute Stille. Eine wirklich absolute Stille. Keine Autos, keine Menschen, keine Vögel, nichtmal das zirpen von Grillen oder anderen Insekten sind zu hören. Eine gespenstische Stille, die ich glaube ich niemals vorher vernommen hatte. Ich klettere Auf das Dach der Ruine und schaue mir die Gegend an. Es ist gruselig. Ich versuche ein Geräusch zu hören. War dort ein Auto zu hören? Kommt es her? Ich bin in mitten einer riesigen Wüste, ohne Handyempfang alleine. Ein bisschen Ängstlich ziehe ich mich in mein Zelt zurück. So liege ich im Schlafsack, immer noch krampfhaft versuchend ein Geräusch zu hören.
Es klackert. Blitzschnell stehe ich draußen und gucke umher. Ist doch jemand gekommen?
Es schien nur ein Windstoß gewesen sein. Ich lege mich wieder ins Zelt und schlafe schnell ein. 60km nicht sichtbar bergauf strengt doch an. Da ich zwei ganze Tage kein Dorf sehe, musste ich genügend Verpflegung mitnehmen. Vor allem die 10 Liter Wasser machen das Rad nochmal um einiges schwerer.
Am nächsten Tag, ich war grade das Zelt am abbauen höre ich tatsächlich ein Motorengeräusch die Stille zerstören. Ein Auto kommt und hält direkt vor der Ruine. Ich verstecke mich in einem der Ruinenzimmer und nach ein paar Minuten ist der Fahrer wieder gefahren.
„Du bist im Iran, hier hast du noch keine unfreundliche Person kennen gelernt, was soll passieren?“ denke ich mir, dennoch will ich kein Risiko eingehen.
So packe ich alles ein und mache mich auf den Weg. Der Weg wird immer schlechter und ich komme kaum vorwärts. Nach 20km rennt mir auf einmal ein Hund hinterher. Wie ist der denn hierher gekommen? Hier im absoluten Nirgendwo. Er bellt nicht, läuft mir nur hinterher und nach ein paar Minuten haut er wieder ab. So geht es weiter wie am Vortag. Lange endlose Wege gradeaus und absolute Stille. Nur ist es heute Merklich kälter. Gestern war es noch warm und ich konnte in Tshirt fahren, heute ist es kalt und ich muss in Pulli fahren. Es ist Winter, auch in der Wüste. Später am Tag fängt es sogar an zu schneien und später zu regnen. Gepaart mit heftigsten Gegenwind, macht es weiter gar keinen Spaß. Es ist wirklich eine Herausforderung. Physisch und Psychisch. Wobei es eigentlich „nur“ zwei Tage sind. Abends erreiche ich endlich vollkommen fertig Meybod und werde am selben Abend noch zum Übernachten eingeladen. Ich habe die Wüste durchquert. Mein Host kann es gar nicht glauben, dass ich mit dem Rad ganz alleine diesen Weg gefahren bin.
Meybod ist ebenfalls eine alte Wüstenstadt und am nächsten Tag werde ich herumgeführt und wir besuchen die alte Burg der Stadt. Ich lerne viel Über die Architektur in der Wüste und wie die Menschen die extrem heißen Temperaturen früher und heute überleben können.
Die letzten 50km bis Yazd gehen dann an der viel befahrenden Autobahn entlang. Dort quartiere ich mich in einen Hostel ein und verlängere mein Visum. Einen Monat bin ich schon im Iran, wie schnell doch die Zeit vergeht.
Die Verlängerung gestaltet sich völlig unkompliziert. Zettel ausfüllen, Geld bezahlen und ein bisschen Warten. Der Polizist ist super freundlich und spricht gutes Englisch. Er freut sich einen Touristen begrüssen zu dürfen. Ansonsten muss er sich mit illegalen Einwanderern aus Afghanistan herumschlagen. So ist auch sein Umgangston. Er schreit die armen Leute bald an, wenn sie nur sein Büro betreten. Zu mir ist er aber sehr nett und fragt mich viele Dinge über Iran und Deutschland. Nach insgesamt einer Stunde habe ich meine Verlängerung im Pass und darf nun weitere 30 Tage im Land bleiben.
Yazd gefällt mir wirklich gut. Eine tolle sehr alte Wüstenstadt wie aus einem Märchen.
Weiter geht es nach Shiraz, die Stadt der Persischen Kultur und der letzten Stadt im Iranischen Dreieck. Ich nehme wieder den Bus, da die Straße wieder durch die Wüste führt und genau, 120km gradeaus geht ohne nennenswerte Dörfer. Diesmal allerdings an der Autobahn entlang. Weihnachten steht an, da würd ich ungern auf dem Rad sitzen. Ich überlege über Weihnachten zurück nach Teheran zu fahren und dort die Feiertage zu verbringen. Es ist interessant, da im Iran kein Weihnachten gefeiert wird.

Iran I – Beginn einer wunderbaren Zeit

„Knock Knock“ Es klopft an der Tür. Hmm? Wo bin ich? Ach ja, im Iran, in Marand in einem Gästehaus. Aber wer klopft da an die Tür?

Draußen steht ein älterer kleiner Mann, total aufgeregt von einem Bein aufs andere wippend. Hallo, ich bin ein Freund von Yashar, ich habe gehört, du bist mit dem Fahrrad in den Iran gekommen, bitte komm mit, ich möchte dir ein paar Freunde vorstellen und Fotos zeigen.

Yashar? Ach ja, der nette Junge, den ich gestern kennen gelernt habe. Dies ist schon mein dritter Tag im Iran. Die vorigen beiden Tagen bin ich viel Fahrrad gefahren, durch tolle Landschaften und mit vielen tollen Leuten. Marand ist bei Radreisenden bekannt, dort lebt ein Mann, der Radreisende sammelt und am Ortseingang bereits auf die Radler wartet. Nun fuhr ich in die Stadt rein und niemand wartete auf mich. Das war schade, ich fragte mich schon, warum dies grade bei mir nicht funktioniert hat.

So setzte ich mich erstmal in ein Restaurant um bei Couchsurfing einen Host zu suchen. Der Restaurantbesitzer war ganz begeistert. Ein Tourist bei ihm im Geschäft! Sofort rief er einen Freund an, der vorbeikam um mich zu sehen und dieser rief einen weiteren Freund an, ein jugendlicher 17 Jahre alt. Er stellte sich als Yashar vor und erzählte mir, dass er ein guter Freund von Akbar sei, der Mann, der die Radfahrer abfängt. Er sei aber leider grade in Teheran und kann mich nicht hosten. Er kann mir ein günstiges Gästehaus empfehlen und mir die Stadt zeigen wenn ich möchte. Was für ein Zufall!

Nun stand also der nette Mann vor mir und ich dachte mir, warum nicht und ging mit ihm mit. Wir fuhren zu einem kleinen Taxistand, wo alle Fahrer ganz aufgeregt Fotos mit mir machten und fragen stellten. Der Mann fing an mir Fotos von Radreisenden zu zeigen.

„Ja, ich sammle auch Radreisende. Das ist total toll was ihr macht. Seit vier Jahren mache ich Fotos von Radreisenden und führe sie herum. Du bist Nummer 826.“

Nummer 826? Ich begreife, so einzigartig ist das doch nicht, was ich hier mache. Da fährt man fünf Monate durch viele Länder, kommt total glücklich im Iran an und bekommt mitgeteilt, ja ich habe jede Woche Gäste die genau das selbe machen wie du. Vor allem Deutsche seien seine Gäste.

Ich bin etwas frustriert. So blättern wir uns durch diverse Fotoalben und schauen uns Fotos von Reisenden mit deren bepackten Rädern an. Anschließend machen wir selber noch ein Foto für sein Album und er bringt mich zum Gästehaus zurück. Wer einmal mit dem Rad nach Marand kommt, wird von nun an auch mein Foto in diesem Album finden.

Anmerkung: Jetzt drei Wochen später sind noch weitere 15 Radreisende bei Yashar und dem netten Mann vorbeigekommen.

 

Ich beschließe zwei Nächte zu bleiben und mit Yashar und seinen Freunden den Tag zu verbringen. Wir fahren durch die Stadt und schauen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an. Später fährt uns ein freund im Auto raus in die Berge und wir schauen uns ein kleines Dorf an. Es ist wunderschön aber eiskalt. Es scheint, Yashar, obwohl erst 17 Jahre alt hat schon eine Community zusammengestellt um Reisenden möglichst viel zu zeigen.

Abends sitzen wir bei einem weiteren Freund im Laden auf dem Basar und reden ein bisschen. Plötzlich verabschiedet sich Yashar von mir und verlässt uns. Kurz darauf werde ich von dem Ladenbesitzer zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen. Mein erstes Abendessen in einer Iranischen Familie, mein erstes Mal eine Iranische Wohnung betreten.

Iranische Wohnungen sind entweder total luxuriös oder gar nicht eingerichtet. Hier die Wohnung war der zweite Fall. Das heißt, man betritt die Wohnung ist ist direkt im Wohnzimmer. Dort liegen nur Teppiche auf dem Boden, sonst nichts. Man sitzt auf dem Boden mitten im Raum oder lehnt sich an Kissen an die Wand. Sonst gibt es eine Küche, die abgetrennt ist oder auch nicht und einen anderen Raum, mit Pc oder als Rückzugsort. Die Toilette und Dusche befindet sich draußen.

Das Essen wird ebenfalls auf dem Boden sitzend eingenommen. Dazu wird ein großes Plastiktuch ausgebreitet und alle sitzen herum. Es wird sehr viel Essen aufgetischt, so viel, dass ich gar nicht alles probieren kann. Obwohl ich scheinbar einer von vielen Gästen war, war die Familie so begeistert und lud direkt noch viele andere Verwandte ein, sodass wir am Ende 16 Leute waren, die um dem Esstuch herumsaßen. Wie es sich gehört, die Frauen an der einen Seite, die Männer an der anderen.

Generell, war diese Familie sehr Konservativ. Frauen waren auch in der Wohnung verschleiert und sprachen kein Wort mit mir. Nur die Männer redeten mit mir. Ich fühlte mich etwas unwohl, aber es war ein faszinierender Einblick in eine Iranische Familie.

Am nächsten Morgen kam Yashar und sein Freund mit dem Fahrrad noch bis vor die Tore der Stadt, wo wir gemeinsam Frühstückten und ich machte mich auf den Weg nach Tabriz.

 

Armenien – Null Kilometer auf dem Rad

„In Germany – Big problem. In Georgia – No problem!“

Die No problem Denkweise ist einzigartig, so war es kein Problem mein Fahrrad und alles Gepäck in den Bulli zu packen und mich nach Yerevan zu fahren.

Eine lange Fahrt durch wundervolle Gegenden erwartete mich. Armenien empfing mich mit viel Sonne aber auch viel Schnee in den Bergen. Atemberaubende Landschaften aber relativ hässliche graue Orte. Als wir Pause machten, merkte ich, dass es doch gut war den Bus zu nehmen. Es war sehr kalt draußen, das Radfahren hätte keinen Spaß gemacht.

Yerevan entpuppte sich als krasses Gegenteil zu den anderen Armenischen Städten, die wir durchquerten. Gut Entwickelt und schick anzusehen mit vielen Sehenswürdigkeiten. Hier blieb ich einige Tage, da ich das Visum für den Iran beantragen musste.

Zwischendurch noch einen Abstecher zum Kloster Khor Virap gemacht und sehr viel durch die Stadt gelaufen. Die Stadt ist berühmt für einen Unglaublichen Ausblick auf den Berg Ararat, nur leider hingen jeden Tag dichte Wolken über der Stadt und man konnte nur Umrisse sehen.

Als ich nach vier Tagen das Iranvisum glücklich in den Händen hielt, suchte ich wieder eine Fahrtgelegenheit nach Goris, etwa auf dem halben Weg zwischen Yerevan und der Iranischen Grenze. Der Kleinbus wollte mich leider nicht mitnehmen, aber ein Taxifahrer erklärte sich bereit, mich zum selben Preis wie der Bus nach Goris zu fahren. Diesmal wurde das Fahrrad einfach mit allem Gepäck auf das Autodach geschnürt und mit vielen weiteren Fahrgästen machten wir uns im vollkommen überladenen Auto auf den Weg. Diesmal hatte ich zum ersten mal wirklich Angst, dass wir nicht ankommen. Der Fahrer war ein Hobbyrennfahrer und wollte uns zeigen, wie schnell man Serpentinen fahren kann. Mein größtes Besorgnis war, dass sein Auto ein Japanimportfahrzeug war und daher ein Linkslenker war. In Armenien herrscht aber Rechtsverkehr, wie in Deutschland auch. So entschloss sich der Fahrer von nun an herrscht in Armenien Linksverkehr und fuhr komplett auf der Linken Seite der Fahrbahn. Leider teilten andere Autofahrer nicht seine Ansicht und so mussten wir immer mit heftiger Lenkbewegung wieder auf die rechte Seite der Straße ausweichen.

Nach sechs Stunden Fahrtzeit erreichten wir Goris, eine weitere graue Stadt, ohne besonders schöne Seiten. Trotzdem soll sich diese Stadt zum Armenischen Touristenort entwickelt. Die Stadt ist also im Aufbruch. Am nächsten Tag besuchte ich das Kloster Tatev. Dorthin gibt es eine relativ neue Seilbahn, die gleich die längste freischwebende Seilbahn der Welt ist. Mit fast 6 Km länge ist es eine beeindruckende Fahrt über eine riesige Schlucht. Anschließend wanderte ich in die Schlucht runter, wo ein Taxi schon auf mich wartete um mich zurück in die Stadt zu bringen.

Am nächsten Tag sollte es dann endlich zur Iranischen Grenze gehen. Der Weg dahin ist aber lang und ich musste trampen. Nach 2,5 stunden hielt endlich ein LKW, der mich zur nächsten Großen Stadt brachte, wo ich einen Minibus zur Grenze nehmen konnte. Es ging über viele Bergpässe mit wieder viel Schnee hoch und runter bis dann ein Fluss die weiterfahrt versperrte. Der Iranische Grenzfluss.

Auf der anderen Seite ist Iran. Was ein Gefühl! Andere Kultur und ein riesiges Land. So lange habe ich darauf gewartet. Mein Heimliches großes Ziel war erreicht. Die Nacht verbrachte ich noch im Armenischen Grenzort, der wie alle anderen auch nicht ganz ansehnlich war, bevor es am nächsten Tag über die Brücke in eine andere Welt ging.

 

Georgien

Groß war die Erwartung von Georgien. Dieses kleine Land im Kaukasus, dass so gerne in die EU eintreten will, aber nach der Unabhängigkeit durch den Kaukasuskrieg und der Abtrünnigkeit zweier Regionen stark geschwächt wurde. An der Grenze hängen schonmal vorsorglich große EU Flaggen, auch wenn der Beitritt sich noch viele Jahre hinziehen kann. Die Straße wurde nun merklich schlechter. Große Schlaglöcher mit Regenwasser gefüllt zwingen mich weite Schlenker zu fahren. Ebenfalls scheint es, dass die Autos nun sehr viel Rücksichtsloser fahren als noch in der Türkei. Bei jedem Schlenker auf die Straße folgt ein Hupkonzert der Autos. Total nervlich erschöpft, erreiche ich am Abend Batumi.

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Grenze auf Georgischer Seite. Die EU Flaggen werd ich noch häufiger sehen.

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Vielen Dank

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Hmm… Wer zahlt jetzt was?

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5 Radreisende an einem Ort

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Alphabet Tower, Batumi

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In Batumi richtete ich mich erstmal in einem schönen Hostel ein und siehe da, schon zwei weitere Reiseradler suchten dort Unterschlupf. Xi, aus China und Craig aus Neuseeland. Xi, radelte den ganzen Weg von China und ist nun seinem Ziel Europa ganz nah. Craig ist bereits seit 10 Jahren unterwegs und Arbeitet als Freelancer und Programmierer. Am späten Abend erreichte noch ein Radler aus England, der aber sehr wortkarg war und direkt ins Bett ging, unser Hostel. Am nächsten Morgen war er früh wieder verschwunden. Dafür erreichten Abends Ward aus Belgien und Julian aus Münster (ebenfalls Reiseradler) unser Hostel. Nun waren wir fünf Radler, gestrandet im dauerverregneten Batumi. So nutzten wir die Zeit zum Erfahrungen austauschen und gemeinsames Gegend erkunden. Nach drei weiteren Tagen hörte es endlich auf zu Regnen und Ward und ich beschlossen, gemeinsam Richtung Armenien weiterzufahren. Nach zwanzig Kilometern überkam mich ein seltsames Gefühl. Heute Morgen beim packen, habe ich meinen zweiten Reisepass nicht in der Hand gehabt. Normalerweise ist er immer in der Lenkertasche. Ist er da immer noch? Beim nachsehen dann der Schock. Der Pass war nicht da. Jetzt nicht in Panik geraten. Alle Taschen ausgeleert und durchsucht. Kein Reisepass zu finden. Jetzt nicht in Panik geraten! Ward schlug vor, zum Hostel zurück zu fahren und dort nach dem Pass zu suchen. Er würde solange auf das Rad aufpassen. Die Hostelmitarbeiter sprachen leider kein gutes Englisch und so konnte ich telefonisch nichts erreichen. So trampte ich die 20 km zurück zum Hostel um auf einen total verwunderten Craig und Julian zu treffen. So schnell hatten sie nicht gerechnet mich wieder zu sehen. Gemeinsam stellten wir das Hostel auf den Kopf um nach dem Pass zu suchen aber kein Pass da. Das worst case Szenario ist eingetreten. Was mache ich jetzt, wie kann das passieren und wie löse ich das Problem jetzt? Einen zweiten Pass habe ich ja noch, also theoretisch kann ich weiter, aber der zweite Pass war speziell für die Visumbeantragung im weiteren Verlauf der Reise gedacht. So viel ich in ein Loch und wusste nicht weiter. Ich beschloss mit dem Taxi zurück zum Rad zu fahren und ins Hostel zurück zu radeln. Dort zu bleiben bis der Pass auftaucht oder mir etwas besseres einfällt.

Julian bot mir an, einige Tage später, gemeinsam nach Tiflis zu radeln, damit ich dann zur Botschaft gehen und alles regeln könne. So brachen wir einige Tage später auf.

Der Weg führte über einen ca. 2100 meter hohen pass, wo ich zum ersten mal Schnee begegnete nach Akhaltsikhe, einer alten Stadt mit großer Burg. Die Straße über den Pass war eine schreckliche Schotter und Matschpiste, wo sich die Qualität unserer Räder herausstellte. Beide Räder überlebten es unversehrt und so genossen wir für beide wohl die landschaftlich schönste Strecke unserer Reise.

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Fast geschafft

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Es war sehr kalt

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Geschafft!! Höchster Pass der bisherigen Reise!

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Zur Ständigen Belastung in Georgien wurden wilde Hunde, die überall in allen Dörfern und auf dem Land quasi auf uns warteten um uns zu jagen. Da wir zu zweit waren, konnten wir das gut zusammen lösen. Alleine hätte ich glaub ich große Probleme bekommen. Trotzdem war es sehr nervig, alle paar Kilometer eine neue Hundeattacke abwehren zu müssen. Vor allem wenn es direkt ein ganzes Rudel war, die zusammen auf uns zustürmten.

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Die Teilstrecke Katchuri bis Grois, wird uns beiden in Erinnerung bleiben. Es war ein fürchterlicher Tag, eiskalt und regnerisch, so beschlossen wir die Autobahn zu benutzen. Autobahn fahren ist im Notfall immer eine Option, hat es die Vorteile durch meist gut Ausgebaute Straßen mit breitem Seitenstreifen. Allerdings mit vielen Autos und ständigen Abgasen. Die Strecke war eine absolute Herausforderung für beide. Es war 0° und durch den Fahrtwind und dem heftigen Regen gefühlt noch viel Kälter. 40 km lang gab es auch keine Möglichkeit eine Pause an einer Tankstelle einzulegen und bald stellte sich heraus, dass Julians Rad die Passstraße wohl doch nicht so gut überstanden hatte. Die Speichen am Hinterrad hatten sich gelockert und so konnte er nur noch sehr langsam fahren. Dies Verlängerte unseren Qualvollen Tag noch viel mehr.

Kurz vor der Abfahrt Gori, unserem Tagesziel. Man konnte das Ausfahrtsschild von sehen, machte es Peng und mein Hinterrad verabschiedete sich. Jetzt haben wir so viel durchgemacht und gelitten und jetzt so kurz vor dem Ziel platzte mein Reifen. Ich fing an laut zu fluchen und dann zu lachen. Der Tag war eine einzige Prüfung des durchhaltens und Willens. Trotz allem fluchens, es änderte nichts an der Situation. Der Reifen repariert sich nicht von alleine und der regen wird so schnell auch nicht aufhören. Total wiederwillig machte ich mich dran den Schlauch zu wechseln. Im Starken Regen gar keine Leichte Sache und wenn dann die Hände noch erfrieren erst recht nicht. Dies war das erste mal, wo ich mich wirklich fragte, warum ich das alles überhaupt mache. Nun war auch meine Laune auf einem absoluten Tiefpunkt und ich wollte einfach nur noch ins Bett.

Durch Julians Speichenproblem waren wir gezwungen, zwei Nächte in Goris zu bleiben. Den nächsten Tag nutzten unsere Gastgeber dazu, uns zu einer Georgischen Party einzuladen. Von diesen Partys hatte ich im Vorfeld schon viel gehört, da doch so gross gegessen und getrunken wird. Der selbstgebrannte ChaCha (Georgischer Schnaps) wurde aus einer 2Liter Colaflasche gereicht. Leider verstehen Georgier nicht, dass man keinen Alkohol trinkt und akzeptieren ein einfaches nein nicht. Daher muss eine Lösung gefunden werden. Geheimtipp sollte sein, zu sagen, man würde Antibiotika nehmen. Selbst Georgier wissen, dass sich Antibiotika und Alkohol nicht vertragen und siehe da, sie sprangen drauf an. Wiederwillig. Bis einer kam, eine Tablette nahm, mit ChaCha runterspülte und meinte, ich solle mich nicht so anstellen. Das änderte dann auch die Meinung der anderen und ich wurde im weiteren Verlauf etwas ignoriert, da ich darauf bestand, nichts zu trinken. Stattdessen wandten sie sich Julian zu. Nach einiger Zeit, wir mussten ja noch einen Radladen finden. Flüchteten wir. Die zwei Liter ChaCha waren schon leer und als nächstes wurde ein 5 Liter Kanister Wein angeschleppt. Wir waren acht Menschen im Raum.

Zurück auf der Straße fanden wir einen Radhändler, der das Rad wieder richten konnte und so planten wir den nächsten Tag weiter nach Tiflis zu fahren. Ich hatte einen Termin in der Botschaft für den nächsten Tag, so musste ich in jedem Fall dort ankommen.

Am nächsten Morgen war Julians Reifen platt und ließ sich nicht mehr Aufpumpen. So beschlossen wir, dass ich alleine vorfahre und wir uns später in Tiflis treffen.

So begann ein weiterer sehr heftiger Tag für mich. Nach nur einer Kurve sprangen drei Hunde aus einem Park auf die Straße und rannten mir hinterher. Zwei Kilometer weiter, an der Ortsausfahrt noch zwei weitere und so zog es sich über die Kilometer hin. Ich zählte 12 Hunde in der ersten Stunde, die alle wie wild geworden laut bellend hinter mir her rannten. Ein paar schnappten sogar nach meinen Taschen. Sowohl in den Orten oder auf Straßen zwischen den Orten, überall wurde ich von Hunden gejagt. Aufgrund meiner Panik vor Hunden, steigerte sich meine Angst immer weiter, sodass ich Angst vor jeder Kurve hatte, vor jedem neuen Dorf, ich konnte nichtmehr still auf dem Sattel sitzen, aus Angst gleich wieder angefallen zu werden. Im nächsten Dorf kamen wieder zwei Hunde, einer von Vorne rannte direkt auf mein Vorderrad zu und der andere von der Seite. Beide kamen wild bellend immer näher und der Hund von Vorne streifte mein Bein und die Taschen. Das war für ein Auslöser, dass ich nichtmehr konnte. Ich bekam eine Panikattacke und konnte nicht mehr weiter, ich saß auf der Straße und wusste nicht was ich tun soll. Es war wieder ein sehr kalter Tag, dennoch spürte ich die Kälte nicht. Jeder Versuch weiter zufahren scheiterte. Die Angst, die Panik war sofort wieder Anwesend. Es ging nichtmehr. Die große Sorge vor Hunden, die mich vor Beginn der Fahrt noch beschäftigte, bestätigte sich. Dennoch will ich mich nicht von den Tieren unterkriegen lassen. Aber an diesem Punkt ging es nichtmehr. Ich war fertig.  Es war nicht vorstellbar noch einen weiteren Hund begegnen zu können. Die ganze Zeit zitterte ich und die Tränen liefen. So stand ich allein auf dieser weiten Straße irgendwo im Georgischen nirgendwo. Ich beschloss sitzen zu bleiben und zu warten das irgendwas passierte. Nach gut einer Stunde vernahm ich ein lautes Brummen und Hupen. Ich war nahe einer Zugstrecke und ein Zug aus Richtung Tiflis fuhr vorbei. Das war meine Lösung für heute. Langsam schob ich mein Rad Richtung nächstem Bahnhof und nahm den Zug die letzten 20km in die Hauptstadt.

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In der Stadt nun, gute drei Stunden nach der letzten Hundebegegnung, radelte ich zum Hostel und traf einen Hund auf der Straße, der mich nur beobachtete und nicht Angriff, dennoch fing ich sofort wieder an zu zittern und das schlimme Gefühl der Panik und Angst war zurück.

Tiflis ist eine wunderbare Stadt mit Charme. Zwischen Sovietbauten und Moderner Architektur lässt sich alles finden. In der Deutschen Botschaft gab ich meine Verlustmeldung der Polizeistation Batumi ab und damit hatte sich die Sache erstmal. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie der Pass abhanden kommen konnte. Ob ihn vielleicht jemand entwendet habe, kann ich nicht sicher sagen und ich möchte niemanden beschuldigen. Es ist schlicht unerklärbar.

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Fahrradtransport

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Nach ein Paar Tagen Tiflis erkunden, machte sich Julian auf in Richtung Aserbaidschan. Meine Route sollte weiter über Armenien in den Iran führen. Allerdings fühlte ich mich immer noch nicht wieder mental auf den Beinen, sodass ich das Hostel wechselte und noch ein paar Tage in Tiflis blieb. Dort beschloss ich, aufgrund des Anstehenden Winters und der weiteren Hundegefahr, die bis zur Grenze und in Armenien ebenfalls sehr hoch sein soll, auf den Bus umzusteigen und keinen Kilometer dort mit dem Rad zurück zu legen.

Türkei

Plötzlich war ich in einer anderen Welt, eine muslimische Welt und die Landschaft erinnerte nun etwas an Steppe. Imame rufen von den Moscheen. Es ist ein weites Land, wenn ich bedenke, dass mich nun gut 2000km von der nächsten Grenze trennen, wird mir bewusst wie weitläufig die Länder nun werden. Die Straße Richtung Istanbul wurde schnurgradeaus über alle Hügel gebaut. Dies bedeutet zum Teil heftige Anstiege. So zog sich ein ständiges auf und ab mit teils starkem Gegenwind über knapp 200 km hin. Mental herausfordernd, aber auch spaßig. Die Straßen in der Türkei sind perfekt asphaltiert und mit breitem Seitenstreifen ausgebaut. So macht das Radfahren Spaß. Teilweise starker Verkehr kann zwar nervig sein, aber man kann ja nicht alles haben. Alle paar Kilometer stehen Verkäufer, die Wassermelonen oder anderes Obst anbieten, von ein paar Verkaufern bekam ich Obst geschenkt und wurde immer wieder angehalten und gefragt wo ich herkomme, was ich mache und wie mir die Turkei gefällt.

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Als die Vororte Istanbuls immer dichter wurden, hörte der Seitenstreifen auf und ich fand mich mitten auf einer vielbefahrenen Autobahn wieder. In Istanbul gibt es ein gut Ausgebautes Metrobussystem, so stieg ich an der ersten Station in einen total überfüllten Bus um. Die Familie empfing mich freudenstrahlend und nahm mich herzlich bei Ihnen auf. Es war eine unglaubliche Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde! So eine Gastfreundschaft hätte ich nie für möglich gehalten. Mir wurde die ganze Stadt gezeigt, viel erklärt und geteilt. Mit der Zeit wurde ich vom Gast zum Freund. Nach zwei Wochen, ich wollte aufbrechen und weiterfahren, erkrankte ich an einer Grippe, die mich eine Woche lahmlegte und ein paar Tage ans Bett fesselte.

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Taksim Platz

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Blaue Mosche / Sultanahmad

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Hagia Sophia

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Als ich wieder halbwegs genesen war, beschloss ich mit dem Bus Richtung Georgische Grenze zu fahren. Dies hatte ich ursprünglich schon vorgehabt, aber zwischendurch wieder verworfen. Nun war die Zeit im Jahr aber schon so weit fortgeschritten, dass ich mitten im Herbst erst im Kaukasus angekommen wäre und da ich gerne noch ein paar Pässe mitnehmen wollte, entschloss ich mich die Türkei zu überspringen.

In Hopa angekommen, regnete es in Strömen, dazu kamen drei Platte reifen innerhalb weniger Kilometer. Meine Laune war an einem Tiefpunkt. So erreichte ich schlecht gelaunt die Georgische Grenze.

Griechenland

„Welcome to Greece!“ Der freundliche Grenzbeamte begrüßte mich ganz freudig. Es war nichts los und ich war weit und breit der einzige. „You need a map? Here is a map from a friendly officer. Welcome to Greece!“ So drückte er mir noch eine Griechenkandkarte in die Hand und entließ mich in sein Land.

Griechenland ist berüchtigt für agressive Hunde, was mir durch meine große Angst vor Hunden ziemlich Sorgen bereitet. Gleich nach einer Kurve kam auch schon ein Hund wild bellend aus einer Einfahrt geschossen. Allerdings traute er sich nicht die große Strasse zu überqueren, so stoppte er und kehrte wieder um. Das ist auch eine Art der Begrüßung.

An diesem Tag fuhr ich 113km und campierte kurz vor Thessaloniki in der Waschanlage einer Tankstelle.

Am nächsten Tag fuhr ich allerdings nicht nach Thessaloniki rein, sondern bog kurz vorher ab und fuhr Richtung Meer. Seit ich in Montenegro das Meer verlassen habe, wollte ich endlich wieder ans Wasser, diesmal an die Ägäis. So fuhr ich durch wunderschoene Landschaften an zwei riesigen Seen vorbei ans bis zum Strand.

Nun ging es immer am Meer entlang der old national road bis Kavala. Irgenwo im nirgendwo traf ich ein griechisches Pärchen, die mir Wasser schenkten und den Tipp gaben, ein paar km weiter rechts abzubiegen. Dort befindet sich eine natürliche Schwefelquelle wo ich sehr gerne eine Pause einlegte und das Heisse Wasser in wundervoller Umgebung genoss. Der Tag fing mit der bis dato heftigsten Hundejagt an. Immer wenn ich an einer Tankstelle vorbei fahre, halte ich Ausschau nach Hunden, dort an dieser Tankstelle lag auch einer faul im Schatten herum. Ich fahre also ruhig weiter an ihm vorbei. In diesem Moment springt er wie wild auf und fängt an mich wild bellend zu verfolgen. Meine Panik packte mich und ich fuhr schneller, wild gestikulierend und ihn anschreiend. Doch er ließ nicht locker und rannte weiter hinter mir her. Über 1km verfolgte er mich, bis er irgendwann endlich abdrehte. Total erschöpft musste ich ein paar Kurven weiter eine Pause einlegen. Danach hatte ich den restlichen Tag mit Krämpfen zu kämpfen. Das erste und einzige mal bisher auf dieser Reise hatte ich wirkliche Wadenkrämpfe. Daher war das Schwefelbad eine wirklich willkommene Erholung. Die Tage vergingen. Hunde kamen und gingen. Insgesamt war es okay, es war wirklich heiss und viele Hunde gaben ihre Jagd auf, sobald sie ihren Schatten verließen. Nach sechs Tagen Fahrt erreichte ich Alexandroupulis, die letzte große Stadt vor der Turkischen Grenze. Dort bezog ich einen Campingplatz und beim Schlendern über den Platz sah ich eine Radreisegruppe. Es war eine Tuerkische Gruppe und ich unterhielt mich mit ihnen. Sie waren ganz begeistert. dass ich den ganzen Weg bis hierher geradelt bin. Ein Junger Mann aus der Gruppe fragte mich, ob ich nach Istanbul fahre und als ich bejahrte, bot er mir an, zu sich nach Hause zu kommen und dort eine Pause zu machen. Diese Einladung nahm ich liebend gern an und so fuhr ich am nächsten Tag gut gelaunt Richtung Grenze. Durch heftigen Gegenwind dauerte es doch länger als gedacht und schließlich stand ich am Grenzhäuschen oder eher zu sagen der Grenzanlage. Dies war die erste wirkliche Grenze, wie man sie sich das evtl vorstellt.

Auf Griechischer Seite gab es die Passkontrolle und das wars. Dann ging es an einem Duty Free Shop vorbei Richtung Grenzfluss. Am Anfang der Brücke standen an beiden Seiten schwer Bewaffente Soldatenposten. Sie begrüßten mich freundlich und schauten mir hinterher. Das Brückengeländer ist auf griechischer Seite Blau-Weiß gestrichen. In der Mitte der Brücke gab es nochmal einen Soldateposten auf beiden Seiten. Auf der Türkischen Seite änderte sich nun die Geländerfarbe in Rot-Weiß. Am Ende der Brücke wieder ein Soldatenposten und dann ein Kontrollposten. Dort schaute man nur Kommentarlos in mein Pass. Danach ging es auf eine große Fläche weiter zur richtigen Grenzkontrolle. Dort schaute man auch nur wortlos in meinen Pass und Stempelte ihn ab. Danach ging es weiter zur Zollkontrolle, an der ich wie bisher immer einfach durchgewunken wurde. Hier war es immer noch nicht geschafft. An einer weiteren Kontrollstelle wurde nochmal der Pass und der Stempel überprüft. Diesmal sogar mit Fragen, was ich in der Türkei will und wo ich hin möchte. Der Grenzbeamte war sehr überheblich und unfreundlich. Auch auf ein „Welcome to Turkey“ wurde verzichtet und so konnte ich die Grenzanlage verlassen und stand in mitten in der Türkei. Somit bin ich tatsachlich mit dem Fahrrad in die Türkei gefahren. Was ein Erfolg und unglaubliches Gefühl!

 

Mazedonien

Am nächsten Tag ging es die letzten 30 km bis zur Mazedonischen Grenze dann fast nur noch bergab. Dort angekommen begrüßte uns die größte Staatsflagge, die ich bisher auf der Reise gesehen habe. Welcome to Macedonia. Nun geht es 40km bis Skopje nur noch eine Straße entlang, ohne Abzweigungen. Nach etwa 5 km kommt ein Schild: Radfahren verboten! Das müssen Spaßvögel gewesen sein. Gekonnt ignorieren wir das Schild und fahren weiter. Nach weiteren 10km kam wieder ein Schild: Fahrradfahren verboten! Was sollen wir machen, umkehren und in den Kosovo zurückkehren? Natürlich nicht und so kommen wir gegen Nachmittag in der Hauptstadt Skopje an. Dort bezogen wir ein Hostel für die nächsten Tage. Eine Pause war dringend nötig. Wie sich herausstellte haben wir das 8 Bettzimmer für uns alleine. Adrian beschloss in Skopje seine Reise zu beenden und zwei Tage später den Bus Richtung Deutschland zu nehmen. So nutzten wir die Zeit uns die Stadt anzuschauen und zu relaxen. In Mazedonien benutzt man das kyrillische Alphabet, so habe ich Zeit meine Kenntnisse, die ich mir vor ein paar Jahren in Russland angeeignet habe aufzubessern.
Die Innenstadt von Skopje ist ein zusammengewürfelter Haufen von riesigen Statuen und prunkvoller Architektur. Alles in allem wirkt es etwas seltsam, dagegen ist die Altstadt mit dem Basar sehr schön anzuschauen. Als Adrian gefahren war, war ich seit Kroatien wieder alleine und hin nun an ging es wieder komplett auf mich gestellt weiter. Der Abschied viel daher schon etwas schwer. Gedanken gingen um. Wie geht es nun weiter? Ich gewöhnte mich so sehr an die Gesellschaft und war von nun an wieder der Stille ausgesetzt. Da es den ganzen Tag über regnete zögerte ich meine Abfahrt noch einen Tag hinaus. Am nächsten Tag ging es dann aber weiter. Die Stadt war schnell verlassen und ich fand mich auf staubiger Piste mit vielen Rasenmäherautos und Eselkarren wieder. 30km später ging die Straße in die Autobahn über. Ich wollte grad abzweigen um die Ausweichroute über die Berge nehmen, da hielt ein Transporter vor mir an und der Fahrer winkte mir zu. Er fragte mich wo ich hinwill. „Veles und weiter nach Griechenland“ antwortete ich. Er antworte, dass er nach Veles fährt und ob er mich mitnehmen solle, der Weg über die Berge sei steil und lang und ein riesiger Umweg für die 20km Autobahn. Da es grade anfing zu regnen, nahm ich sein Angebot an. So langsam fühle ich mich ausgelaugt von Bergen. Immer wieder Berge. Auch drei Tage Pause in Skopje haben mir die Lust auf noch mehr Pässe und Steigungen nicht wiedergeben können. So fuhr er mich nach Veles und erklärte mir noch den weiteren Weg, wobei man sich nicht leicht verfahren kann. In Osteuropa scheint es normal zu sein, alles immer neu zu bauen. Nicht ausbauen, sondern direkt neu, so gibt es neben der heutigen Autobahn immer in naher Entfernung eine ähnliche Straße, die früher die Autobahn gewesen sein musste, heute aber in schlechteren Zustand ist, an und zu gibt es dann noch eine dritte Straße, die davor die Hauptstraße war, meistens aber immer ungeteert sind. So fuhr ich diese alte Autobahn ohne jeglichen Verkehr den ganzen restlichen Tag weiter. Mein Tagesziel sollte Demir Kapija sein, ein winziges Dorf, wo es ein Hostel geben soll. 15 km vor dem Dorf, geriet ich in einen Fliegen/Mückenschwarm, der ca 10km lang war. Es prasselte nur so gegen meinen Helm, als würde es regnen. Eine Hand musste ich vor Mund und Nase halten um irgendwie atmen zu können. Es war sehr sehr nervig. Als der Schwarm nachließ, hielt ich kurz an einer Bushaltestelle an um mich von den Insekten an den beiden und armen zu befreien. Dann kam um die Kurve mir ein Polizeiauto entgegen. Die Polizisten erblickten mich und hielten prompt an und kamen zu mir herüber.
Meine erste Polizeikontrolle.
Die Polizisten waren sicher einfach nur neugierig, einen Radfahrer hier zu sehen, entschlossen sich dann aber ihren Job auch perfekt auszuführen. So würde ich ausgefragt, was ich im Land will, wo ich alles war, wo ich noch hinmöchte, wann, wo und um wieviel Uhr ich Ihre Grenze überquert habe. Ob ich eine Registrierung für die Nächte in Skopje dabei habe. Wann ich die griechische Grenze erreichen werde und abschließend natürlich, was ich alles im Gepäck habe. All diese Fragen fingen mich schnell an zu nerven und hoffe, dass die bald abhauen werden. Alle meine Angaben wurden sich genau notiert und nach einem Telefongespräch konnte ich dann nach knapp 30 min endlich meine Fahrt fortsetzen. Die beiden schauten mir noch hinterher bis ich um die nächste Kurve verschwunden war.

An meinem Tagesziel angekommen, befand sich noch eine deutsche Gruppe, die zum Klettern herkamen. So verbrachten wir noch den Abend zusammen und tauschten uns über das Land aus. Am nächsten Tag ging es die ersten 20km über die bis dato schlechteste Straße meiner Tour. Straße kann man das nicht nennen, es war eine einzige Schlammpiste mit mehreren „Seen“ wo ich durch musste. Dies bedeutet, hoffen, dass sich in dem dreckigen Wasser kein Schlagloch befindet, welches mich direkt vom Fahrrad in den Matsch werfen würde. Zum Glück ging alles gut und die weitere Strecke ging weiter auf hervorragend asphaltierter Piste bis zur Griechischen Grenze.

 

Kosovo

Der Kosovo wird auch riesige Suppenschüssel genannt. Immen ziemlich flach und außen an den Grenzen Berge.
So ging es nach der Grenze erstmal ordentlich bergab.
An einer Tankstelle unterhalten wir uns mit den zwei jungen Tankwarten. Die beiden sind begeistert, dass Touristen zu Ihnen ins Land kommen. Kosovo ist das jüngste Land Europas und nach dem Bürgerkrieg sind immer noch Soldaten aus anderen Ländern stationiert. Unter anderem sehen wir häufiger Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr.
Die erste größere Stadt Gjakova war ein kleiner Kulturschock. Kosovo ist unter anderem auch eines der ärmsten Länder Europas. Die Vororte erinnerten mich an die Brasilianischen Favelas. Trotz allem sind die Menschen super freundlich und als wir in einem Restaurant saßen, sprachen uns diverse Leute auf deutsch an und fragten uns aus. Alle freuten sich sehr, dass wir ihr Land besuchen. Die Nacht verbrachten wir im Zelt abseits eines Feldes. Der Weg nach Prizren war eine der unangenehmsten strecken bisher auf der Strecke. Viel Verkehr und viele Abgase. Wie auch in Albanien fahren die Leute teilweise mit abenteuerlichen Fahrzeugen herum. Lustig sind die „Rasenmäherautos“ dies sieht aus wie ein Rasenmähermotor an dem eine lange Lenkerstange befestigt wurde und hinten auf einer Ladefläche viele Menschen sitzen.
Auf dem Weg hatten wir dann unsere zweite Hundeattacke. Der Hund lag faul am Straßenrand, als wir uns aber näherten entschloss er sich uns zu jagen, lies aber ab nachdem ich meine Beine so hoch es geht gezogen hatte und trottete zurück zu seinem Platz.
Prizren ist eine schöne Stadt mit toller Altstadt, die wir nicht so erwartet hätten. In der Stadt trafen wir einen belgischen Radler, der ein paar Monate durch Osteuropa fährt. Wir unterhalten uns ein bisschen und als ich mich wieder in Bewegung setzte, bellte ein Hund. Er hatte sich unbemerkt zum dösen in meinen Radschatten gelegt und als ich weiterfuhr war der Schatten plötzlich weg. Also beschloss er dem Schatten hinterher zu laufen. Immer wenn ich anhielt legte er sich wieder zum Dösen hin und fuhr ich weiter, rannte er uns wieder hinterher. Als dann ein Mann mit einer Tüte vorbeilief, war der Hund plötzlich weg. Wahrscheinlich roch er essen und dann war der Schatten nicht mehr interessant genug.
Nach ausgiebiger Pause, machten wir uns auf den Weg auf die nächste Passhöhe und weiter nach Mazedonien. Vor der Grenze zelteten wir noch an einer perfekten Stelle, die wie für uns gemacht schien. Idyllisch direkt an einem Bach abseits der Straße gelegen. Nur leider auch hier viel Müll überall, aber das trübt nicht unsere Stimmung.

 

Albanien

Auf dem Weg zur Albanischen Grenze ging es nochmal knackig bergauf. Auf halber Strecke standen vor uns zwei Reiseradlerinnen. Sie kommen aus Polen. Eine von ihnen möchte bis nach China fahren, ihre Freundin nur bis Griechenland. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer Pause und Austausch. Wir beschlossen uns in Albanien an einer Tankstelle zusammen zu setzen und von unseren Eindrücken zu berichten.
Oben angekommen ging es nur noch bergab bis zur Grenzstation. Die Montenegrische Grenzstation war schnell passiert. Wortlos wurde mein Pass durchgeblättert, Ausreisestempel war nicht nötig. Hinter dem Häuschen hörte die Straße dann direkt auf und verwandelte sich in eine grobe Schotterpiste. Überall standen LKWs und Autos wild in der Gegend herum. Das albanische Grenzhäuschen war ein total verfallener Container. Ich fuhr heran als mir direkt ein Reisebus von der anderen Seite entgegen kam und durch die selbe Gasse will, durch die ich durch wollte. Die Kontrolle fand also an zwei Seiten statt. Das ist interessant. Ein Herr sprang aus dem Bus und drückte der Polizistin in dem Container jede Menge Pässe in die Hand. Ich dachte, na super, fährt der Bus falsch herum an die Kontrolle und drängelt sich auch noch bei der Kontrolle vor.
Die Polizistin winkte mich aber wortlos heran, nahm meinen Pass, versuchte ihn einzuscannen, versuchte es nochmal und nochmal und schrieb anschließend einfach meinen Namen und Passnummer auf einen Zettel. Einreisestempel brauchte man wohl auch wieder nicht. Danach wurde ich wortlos durchgewunken.
Hinter der Grenze saßen Männer und fingen an zu lachen, als sie uns mit den bepackten Rädern vorbei fahren sehen. Einer schüttelte den Kopf und sagte nur: Crazy!
Die Straße war auf einmal wieder gut und hervorragend asphaltiert.
Nun waren wir also drin im geheimnisvollen Land Albanien. Dem Land, von dem ich nur weiß, dass es Jahrzehnte lang isoliert war.
Nach gut einem Kilometer erstarrte ich.
Vor mir auf dem Seitenstreifen spazierte ein riesiges graues Tier. Ich dachte, oh mein Gott. Was ein überdimensionaler Hund! Wenn der sich umdreht und uns sieht ist es aus. Der kann uns locker vom Rad rammen. In meinem Kopf malten sich die schlimmsten Sachen aus und ich überlegte wie wir nun heil an diesem Riesen Tier vorbei kommen bis das Geschöpf anhielt und sich umdrehte. Ich bekam einen Lachanfall. Es war ein großes wildes Schwein! Gemächlich spazierte es über die Hauptstraße. Als es uns sah querte es die Straße und verschwand hinter dem nächsten Gebüsch.
Das fing ja schon mal lustig an. Albanien.
Eine Kurve weiter spazierten zwei Kühe über die Straße und noch eine weiter drei Ziegen. Links auf dem Bahndamm spielen Kinder.
Dies waren die ersten Eindrücke von Albanien. Nach zwei Kilometern erreichten wir eine Tankstelle. Die anderen waren genauso amüsiert von den Tieren wie ich, daher legten wir jetzt erstmal unsere Pause ein. Die beiden Polinnen wollten den Tag so langsam ausklingen lassen, da die Sonne schon so langsam unterging. Da wir unbedingt noch nach Shkoder wollten, verabschiedeten wir uns und setzten die Reise alleine fort.
Am nächsten Tag, nach einem Spaziergang durch Shkoder ging es Richtung Koman Stausee. Die Strecke wurde als schlecht zu fahren beschrieben und Albaner, die wir trafen warnten uns ebenfalls vor dieser Straße. Trotz allem fuhren wir dort entlang und wurden nicht enttäuscht. Die Straße war teilweise in Katastrophalem Zustand. Unterwegs ertönten auf einmal junge Stimmen: Nister Mister, come here. Stop!
Es waren zwei kleine Jungen, so um die 12-14 Jahre alt. Selbst mit Fahrrädern, waren sie ganz begeistert von unseren bepackten Drahteseln. Einer der beiden jungen sprach perfektes englisch und übersetzte alles was wir sagten seinem Freund. Diese Kenntnisse haben uns sehr beeindruckt. Er schien alles was wir sagten zu verstehen und weitergeben zu können. Sie wollten unsere Räder fahren. Angesichts ihrer Größe funktionierte das allerdings nicht und so verabschiedeten sie uns winkend. Endlich freundliche Kinder die nicht nur betteln. Generell ist es so, dass Kinder egal welchen Alters eigentlich immer die Hand aufhalten und nach Geld fragen. Die Hemmschwelle dafür ist hier sehr niedrig.
Für die 50km nach Koman brauchen wir fast den ganzen Tag und Quartieren uns am Abend am örtlichen Campingplatz ein. Für 2€ die Nacht, ist es meine günstigste Nacht bisher. Am Campingplatz sind momentan auch deutsche Geologiestudenten untergebracht, die ganz begeistert von ihrer Arbeit erzählen. Den ganzen Tag rumsitzen und Steine angucken. Dafür Begeisterung zu entwickeln ist mir unverständlich. Aber wenn es ihnen gefällt, ist das schön. Den Abend tauschen wir uns aus und sie erzählen viel von ihren Erlebnissen in Albanien und über die Arbeit eines Geologen.
Auf dem Campingplatz gibt es kaum Plätze ein Zelt ordentlich aufzustellen ohne Gefahr zu laufen sich den Zeltboden aufzureißen oder die Matratze durch die spitzen Steine zu zerstören. Nach einem Platzregen war die Fläche komplett überschwemmt und es gab generell keinen Platz mehr für ein Zelt. Biwakieren, wie in Kroatien viel für mich flach, da überall Hunde, Katzen und Hühner frei herumliefen. Ich möchte nachts nicht von einem Huhn überrannt werden.
Daher quartierte ich mich in das Restaurant ein. Da es nur die Studenten und uns gab und alle draußen saßen, war eh niemand im Restaurant. Der Besitzer war davon allerdings nicht so begeistert, konnte mir aber auch keinen Platz zuweisen. Um 7 Uhr allerdings, so meinte er kommen garantiert die ersten Gäste zum frühstücken, daher muss er mich früh wecken, da die Gäste keine schlafende Person auf dem Boden haben wollen. Ich fragte mich von welchen Gästen er sprach. Wir liegen in einem kleinen Dorf mit vielleicht 100 Einwohnern in einem Tal, dass nur über eine Seite erreicht werden kann und dies über die 30km lange Straße über die wir gestern gekommen sind. Die andere Seite ist nur der Stausee und die nächste Fähre kommt erst um 11:00 Uhr an.
Natürlich kamen am nächsten Tag keine Gäste zum frühstücken. Die Studenten aßen wie immer draußen, daher ärgerte ich mich ein bisschen so früh aufstehen zu müssen. Um 10:00 Uhr legte die Fähre ab. Dorthin ging es nochmal steil bergauf und unter anderem durch einen langen unbeleuchteten Tunnel, der direkt vor dem Fähranleger endete. Am Anleger lagen zwei Schiffe. Ein total heruntergekommendes altes Schiff und ein neueres. Da wir die Fährtickets am Campingplatz gekauft haben, wurden wir dem alten Schiff zugewiesen. Nachdem alles verstaut war, warteten wir, bis es los ging und beobachteten die Gegend. Neben dem Tunneleingang war sowas wie ein Ziegenmarktplatz und ein Käufer versuchte die neu erstandenen Ziegen auf dem Dach seines Transporters zu verstauen. Da die Ziegen lebten, machten sie teilweise ein großes Geschrei, wenn sie an zwei Beinen Haltend auf den Bus gehoben wurden und dann irgendwie in die bereitstehenden Kisten gesetzt wurden und dann mit viel Kordel festgebunden wurden. Vier Ziegen wurden verstaut, ehe der Bus Richtung Shkoder aufbrach. Das wird eine ganz schön holprige Strecke für die Ziegen. Die Fähre legt schlussendlich fast eine Stunde später ab und die meiste Zeit der 3,5 Stunden langen Fahrt verbrachten wir mit Schlaf der letzten Nacht nachholen.
Die restliche Strecke in Albanien ging nur noch bergauf unterbrochen von ein paar Colapausen. Es ging in den Kosovo, welches in einem Riesen Kessel liegt, außen Berge innen relativ flach. Daher geht es bis zur Grenze nur noch bergauf. Unterwegs begegnen wir wieder ein paar bettelnden Kindern, Kinder die auf Baustellen spielen und viele frei lebenden Tieren. Entgegen den Berichten, waren alle wilden Hunde sehr friedlich und lagen faul im Schatten. Albanien scheint als ein einziges Chaos. Verkehrsregeln scheinen nicht zu existieren. Ampeln gibt es wohl keine und die Polizisten die teilweise versuchen sollen den Verkehr zu regeln sind sich am unterhalten oder am Handy am spielen. Trotzdem sind es die Autofahrer die fast ausnahmslos immer freundlich Hupen und begeistert winken. Egal ob sie überholen oder entgegen kommen. Es macht wirklich Spaß hier zu fahren. Die Leute freuen sich, dass wir zu Besuch in ihr Land kommen. Für den Komansee und viele Landschaften und Täler sage ich einen Tourismusboom voraus. Wenn eines Tages durch staatliche Ordnung der Tourismus Einzug hält, werden diese Gegenden sicher gut vermarktet werden können. Wer heutzutage hinfährt erlebt Unberührtheit, freundliche Menschen ohne großen Luxus und ein besonderes Flair. Es ist wirklich einzigartig und ich glaube ein Boom würde der Region nicht gut tun. Die Menschen leben abgeschieden in einer eigenen Welt. Ich werde auf jeden Fall nicht das letzte mal hier gewesen sein. Weiter geht es in den Kosovo. Ein kleines sehr junges Land, von dem ich nur weiß, dass die Bundeswehr dort einen Einsatz hat und dort wirklich kaum jemand Urlaub macht. Es wird also ein kleines Highlight, was ich mir auch fest vorgenommen habe zu besuchen.

 

 

 

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