Kasachstan
18. März 2018
Hongkong
18. März 2018

China

Willkommen im Reich der Mitte. China war erreicht. Was für ein Gefühl dort am Grenzzaun zu stehen. Auf der anderen Seite ragen hohe Wolkenkratzer in den Himmel. Die Einreise dauerte eine ganze Zeit. Es werden Umfangreiche Befragungen und Gepäckdurchsuchungen durchgeführt. Zweimal wird mein Gepäck geröntgt und zweimal werden die Taschen geöffnet und durchsucht. Zusätzlich werden alle Fotos meiner Kamera und meines Handys durchsucht und zu einzelnen muss ich Stellung beziehen, wo sie entstanden und was auf den Bildern zu sehen ist.

Als alles überstanden war standen wir draußen in einer neuen Welt. Eine riesige Imposante Straße. Alles war sauber und modern. Die ganze Straße gesäumt von Chinesischen Flaggen.

Wir fanden uns in einer neuen ganz anderen Welt wieder.

Im Westen Chinas gibt es nur Autobahnen, also fuhren wir auf dem Seitenstreifen der Autobahnen. 650km bis Ürümqi. Das Leben als Individualtourist ist härter in China. Hier gab es viele Regeln. Zelten ist verboten und vielen Hotels ist es verboten Ausländer aufzunehmen. Man wird einfach weg geschickt oder von der Polizei zu einem anderen Hotel eskortiert. Trotzdem zelteten wir fast jeden Abend. Zwischen Bäumen oder unter der Straße in Abflussrohren ließ es sich für eine Nacht aushalten. So ging es 4 Tage lang durch Steppe gradeaus auf der Autobahn. Es zog sich immer weiter durch ödes Land. Alle 100km etwa gab es eine Tankstelle mit Restaurant wo wir uns versorgen konnten. Ansonsten Einsamkeit und Stille. Alleine wären diese Tage wirklich hart geworden. Am Abend des 5. Tages erreichten wir die erste große Stadt: Kuitun. Dort quartierten wir uns in einem sehr edlen Hotel ein. Die Chefin des Hotels stand zufällig an der Rezeption und war begeistert von unserer Tour und gab uns einen Sonderpreis.

Hinter Kuitun durften wir dann leider nichtmehr auf der Autobahn radeln und wurden mehrfach von der Polizei auf die nun vorhandene Seitenstraße geschickt.

Die normale Hauptstraße war nun kein Spaß mehr. Hier lernten wir kennen was in China Big Brother is watching you heißt. Vor jedem Ort gibt es eine Polizeistation, an der wir jedes mal anhalten und den Pass zeigen müssen. Ab und zu auch unsere Kameras zur Fotokontrolle vorzeigen. Da es ca alle 10km einen neuen Ort gab, taten wir nichts anderes mehr als von einer Polizeikontrolle zur nächsten zu fahren. Selbst zwischen den Orten wurden wir mehrfach von Polizeiwagen angehalten und befragt. Glücklich kamen wir nach drei weiteren Tagen endlich in Ürümqi an. Von hier aus trennten sich Bas und mein Weg. Er nahm den Zug nach Chengdu im Süden Chinas und ich nach Fuzhou, an der Westküste. Drei volle Tage im Zug erwarteten mich.

Ein Wort zu den Überwachungsmethoden: In Westchina stehen zwei Securityleute in jedem Geschäft. Zusätzlich ein Röntgengerät und Metalldetektor, den man bei jedem Betreten passieren muss. An Eingängen zu Einkaufszentren müssen Chinesen ihre ID Karte Einscannen und teilweise mit Iris Scan bestätigen. Auf dem Parkplatz der großen Mail in Ürümqi stand immer ein Militärpanzer mit Bewaffneten Soldaten oben drauf. Am Bahnhof war das gleiche Prozedere wie bei der Einreise. Zweimal Röntgen aller Taschen und zweimal anschließendes öffnen und durchsuchen. Nur leider wird dort rigoros alles entsorgt, was irgendwie Gefährlich sein kann. Da man sein Gepäck nicht wie im Flugzeug aufgeben kann sondern alles quasi als Handgepäck hat, war es also so, dass sie meine Taschen öffneten und anfingen alles mögliche zu entsorgen. So verlor ich mein Besteckset, mein Lethermann (Taschenmesser), Nagelschere, Sonnencreme, Shampoo, Deo und diverse andere Flüssigkeiten und kleine Dinge. Als sie mir dann meinen Dynamolader wegnehmen wollten, bin ich wirklich sauer geworden. Den gebe ich auf keinen Fall aus der Hand, der hat 120€ gekostet. So habe ich einen Aufstand gemacht und die Polizisten überfordert. Ich habe mich ganz einfach geweigert weiter zu gehen und den Verlust zu akzeptieren. Zum Glück hat sich meine Hartnäckigkeit am ende ausgezahlt und ich konnte den Lader behalten. Bei allem anderen musste ich leider zusehen wie alles in den Mülleimer wanderte. Ich fühlte mich regelrecht bestohlen. Seit 1,5 Jahren besitze ich nicht viel, nur die Dinge in meinen Taschen und nun kommen die Chinesen daher und meinen alles ist gefährlich und ich kann ja alles neu kaufen. Trotzdem wurde jedes Stück, dass ich all die km mit mir herumschleppte mir wichtig.

Das Fahrrad kann man in China leider nicht einfach so mit in den Zug nehmen. Man muss es ein paar Tage vorher per Cargo verschicken und hoffen, dass es heil am Ziel ankommt daher blieb es von den Kontrollen verschont. Von Fuzhou wollte ich die Fähre nach Taiwan nehmen. Dies stellte sich leider schwerer heraus als geplant, da der Fährbetrieb kurzfristig eingestellt wurde. Nach ein Paar Tagen warten stand fest, ich komme hier nicht weiter. Ein neuer Plan musste her. Das Visum war kurz vor Ablauf, so entschloss ich mich wieder in den Zug zu steigen und nach Shenzhen zu fahren, um von dort weiter nach Hongkong zu gelangen. Also wieder Zugticket gekauft und wieder zur Cargo Station und das Rad verschicken. Was ein Stress.

Zusammengefasst gefiel mir China nicht. Die Kontrolle und Unterdrückung im Westen des Landes war schockierend und selbst im Osten des Landes, wo es diese Kontrollen nicht mehr gab, blieb trotzdem ein unangenehmes Gefühl einer generellen Allüberwachenden Kontrolle. Es hat so viel Kraft und Zeit gebraucht an das Visum zu gelangen und am Ende denke ich mir, es war interessant es gesehen zu haben. Aber zurück muss ich nicht. Und, dass sie mir so viel weggeworfen haben werde ich nicht vergessen können.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*